Lorenzo Mattotti ist einer der eigenwilligsten unter den Comic-Künstlern. Schon Mitte der 80er Jahre hatte er seinen charakteristischen Stil gefunden, der von Lesern sofort als `eindeutig Mattotti´ identifiziert werden kann. Besonders seine farbigen Arbeiten sind typisch und geradezu durch Farbexplosionen gekennzeichnet. Die leuchtenden Farben etwa in "Feuer", "Der Klang des Rauhreifs" oder "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" sind herausragende Beispiele für den grafisch wie erzählerisch anspruchsvollen Stil des Italieners. Doch immer wieder macht Mattotti Bücher, in denen er sein Spektrum erweitert. Seine Schwarzweiß -Comics (etwa "Der Mann am Fenster", "Stigmata" oder "Schimäre") sind nicht weniger gelungen als seine farbigen Arbeiten, je nach Thema und Geschichte entscheidet er, welche Grundstimmung den Band beherrscht. Die Psychologie spielt eine große Rolle in seinen Werken, Träume von Ich-Erzählern gehen oft in faszinierend surreale Visionen über.
3sat stellt den Comic "Zahra's Paradise" im TV vor, der Beitrag wurde auf Youtube archiviert:
Und hier die Rezension von comickunst:
Zara's Paradiese
Ein authentischer Polit-Thriller aus dem heutigen Iran
Zara´s Paradise heißt der Hauptfriedhof des Iran. In einer Ecke, die der Geheimpolizei untersteht, werden diejenigen verscharrt, die während politischer Unruhen von der Justiz ermordet wurden. Als Mehdi, 19 Jahre alt, nach einer Demonstration gegen die Fälschung der Wahlergebnisse von 2009 nicht nach Hause kommt, macht sich seine Mutter Sorgen. Als er auch am nächsten Tag noch nicht wieder auftaucht, macht sie sich mit ihrem zweiten Sohn zusammen auf die Suche.
Was sie dabei erlebt, erinnert an Costa-Gavras Film Vermisst, in dem Jack Lemmon seinen während des Militärputsches in Chile verschwundenen Sohn sucht, und von den Behörden von Pontius zu Pilatus geschickt wird, ohne verwertbare Auskünfte zu bekommen. Auch Mehdis Mutter irrt durch Polizeistationen, Gefängnisse und Krankenhäuser, doch niemand kann – oder will? oder darf? – ihr helfen. Mehdis Bruder ist Blogger und dokumentiert die Suche der Familie im Internet – was dem Betreiber des Internet-Cafes, das er dazu nutzt, nicht gut bekommt.
Nach Satrapis wunderbarem Iran-Album Persepolis liegt damit wieder ein Comic über das Leben im Iran vor. Die Geschichte wurde von dem Journalisten und Dokumentarfilmer Amir geschrieben und von Illustrator Khalil gezeichnet (die Namen sind Pseudonyme) und zunächst Kapital für Kapitel im Internet auf www.zahrasparadise.com gepostet. Dort ist sie immer noch zu sehen. Nach der Buchpublikation in den USA bringt Knesebeck die Geschichte jetzt auch bei uns in die Läden. Ein spannendes und informatives Album mit guten Zeichnungen, das einen authentischen Einblick in die Menschenrechts-Situation im Iran gibt.
Dieser Lesetipp wurde erstellt von Comickunst–dem Weblog mit aktuellen Rezensionen anspruchsvoller Graphic Novels für Erwachsene: http://comickunst.wordpress.com/.
Zahra's Paradise – Die Grüne Revolution im Iran und die Suche einer Mutter nach ihrem Sohn
Amir, Khalil
„Eine zu 95 Prozent wahre Geschichte“ nennt die New Yorkerin Tracy White ihre Erinnerungen an einen Klinikaufenthalt, der länger dauerte, als geplant. Sie war 17 Jahre, als sie eingeliefert wurde. Diagnose: Depressionen.
Serienkiller sind spätestens seit "Schweigen der Lämmer" fester Bestandteil der Popkultur. Besonders auf den privaten TV-Kanälen vergeht kein Abend, an dem die Bad Guys nicht von Profilern, Gerichtsmedizinern oder sonstigen Ermittlern zu Fall gebracht werden. Die Grenzen des guten Geschmacks sind dabei dabei nicht nur überschritten, sondern – wie z.B. in der Serie "Dexter", in der der Soziopath der Held ist – längst abgeschafft.
Der vorliegende Band "Nero" verweigert sich nicht diesem Zeitgeist, bietet dafür aber mehr als nur Durchschnittskost. Auch hier wird Jagd auf einem Serienkiller, den sog. "Totengräber" gemacht. Privatdetektiv Nero wird von dem Vater einer ermordeten Frau angeheuert, den wahren Mörder zu finden, da die Polizei den Fall bereits abgeschlossen und den falschen Mann gefasst hat.