Lesetipps zu Ostern

Ein langes Osterwochenende steht bevor – hier unsere Lesetipps:

 

Graphic Novel

The Death of Stalin
von Nury, Robin, Splitter

The Death of Stalin Graphic Novel

Willkommen bei Comics & Graphics im russischen Sektor 😉 Die Verfilmung der grafischen Novelle läuft gerade in den Kinos, und ich habe keine Ahnung, ob der Film etwas taugt. Der Comic ist jedenfalls superb, bitterböse und sehr interessant, es vermischen sich Grauen und Komik.  Fabien Nury ("Tylor Cross", Carlsen; "Es war einmal in Frankreich", Zack; "Der Marokkanische Frühling", Schreiber & Leser) ist einfach einer der aktuellen Top-Szenaristen des frankobelgischen Comics. Wer schnell zugreift bekommt bei uns noch ein Stalin-Lesezeichen und einen Bart zum Ankleben dazu.

 

Der Dschungel
von Kristina Gehrmann, Carlsen

Der Dschungel Graphic Novel

Kristina Gehrmann hat bereits mit Im Eisland (Hirnstorf Verlag) einen beeindruckenden dreiteiligen Comic über die Franklin Expedition vorgelegt. Nun hat sie sich einem anderen historischen Stoff gewidmet und Sinclairs Roman „Der Dschungel" adaptiert.

"Hoffnungsvoll kommt Ende des 19. Jahrhunderts eine litauische Auswandererfamilie in Amerika, dem Land ihrer Träume, an. Sie finden Arbeit in den Schlachthöfen von Chicago, aber nichts wird gut: Die hygienischen Zustände sind unbeschreiblich, Korruption scheint ein Naturgesetz zu sein, die Arbeitsbedingungen führen zum frühen Tod Erwachsener und Kinderarbeit wird für die Familie überlebensnotwendig.

Das Buch zeigt deutlich wie unsere Industriegesellschaft aussah, bevor es Errungenschaften wie Krankenkassen, Schulpflicht, Renten u.ä. gab. Und es erinnert durchaus an die aktuellen Zustände in Niedriglohnländern." – Pressetext Carlsen

 

Endzeit
von Olivia Vieweg , Carlsen

Endzeit Graphic Novel

Im Supermarkt gab es mal das Label: "Qualität aus den neuen Ländern". Das möchte ich hier gerne mal anwenden. Bereits vor einigen Jahren ist im Verlag "Schwarzer Turm" die Abschlußarbeit von Olivia Vieweg erschienen. Inzwischen bahnte sich eine Verfilmung des Zombiestoffes der etwas anderen Art an, und Olivia hat ihr Buch deutlich erweitert (jetzt auf 288 Seiten). Olivia gehört m.E. zu den wenigen deutschen Zeichnerinnen, die auf Basis guten Handwerks einen richtig: schicken eigenen künstlerischen Stil entwickelt haben. Tolle Zeichnungen, schöne Farben, guter Fluß, originelle Geschichte zwischen Weimar und Jena.

 

Der alltägliche Kampf
von Manu Larcenet, Reprodukt

Der alltägliche Kampf Graphic Novel


Der Klassiker ist endlich wieder lieferbar. Zwar gibt es andere Vorzeige Graphic Novels wie Persepolis oder Maus, die immer wieder zitiert werden. Fragen mich meine Kinder, was denn um Himmelswillen die besten Graphic Novels sind, dann werde ich allerdings neben Blankets eher auf diesen Titel verweisen. Die herzliche Geschichte über einen Fotografen und dessen Berufs- und Familienleben pendelt wie auf einer Sinuskurve kitschfrei zwischen Humor und Melancholie. Sollte man unbedingt mal gelesen haben!

 

Sophisticated Pulp

Die folgenden beiden Titel lassen sich schwer einordnen, deswegen habe ich mal eben das Genre "Sophisticated Pulp" erfunden 😉
 

Los geht es mit

Hellboy
von Mike Mignola u.a., Cross Cult

Hellboy Kompendium

Hin und wieder kommen Leute in den Laden, die nach Graphic Novels zum Thema Migration fragen. Ich empfehle dann immer den Comic Hellboy.  Das ist natürlich nicht so ganz ernst gemeint, enthält aber auf einer höheren Metabene durchaus ein gutes Stück Wahrheit. Hellboy kommt durch ein Portal aus der Hölle zu uns. Seine Bestimmung ist eigentlich eine andere Funktion, als die, die er dann einnimmt. Er schleift sich seine Hörner und stellt sich auf die Seite der Menschen und bekämpft fortan – mit Höhen und Tiefen – das Böse und irgendwo damit auch seine eigenen Wurzeln. Es geht also um Selbstbestimmung und Überwindung. Das Hellboyuniversum besticht dabei grafisch mit an den deutschen Expressionismus erinnernden Zeichnungen, als auch erzählerisch durch die Verknüpfung von Pulp-, Steampunk- und Horrorelementen mit historischen Mythen (zB. auch aus Osteuropa). Dabei fehlt den Geschichten jede Redundanz, die man aus dem Superheldengenre kennt. Jede Geschichte ist ein Puzzeleteil eines großen Ganzen. Abgerundet wird diese mitunter durch knackige One-Liner des Protagonisten. Das ist sowohl als Entertainment- als auch als Autorencomic absolut top, auf dem amerikanischen Comicmarkt gibt es nur wenig Besseres. Punkt.

CrossCult verlegt gerade eine Neuausgabe in dicken Sammelbänden. Zwar schlagen die Bücher ein kleines Loch in die Geldbörse (50 EUR je Stück, es sind aber auch Ausgaben dick wie ein Telefonbuch), dafür ist diese Edition aber auch größer als die alte, komplett koloriert und diesmal im Gegensatz zu der vorhergehenden Ausgabe auch in der deutschen Fassung unretuschiert. Es ist gerade ein perfekter Moment, um in das Hellboy-Universum einzusteigen.

 

Black Hammer
Jeff Lemire, Splitter

Black Hammer Comic Graphic Novel

Eigentlich denke ich mir oft, das Superheldengenre ist einfach durch. Erzählerische Redundanz und ein Konzept, dass sich eigentlich in den letzten Jahrzehnten kaum verändert hat (jaja, es gibt Ausnahmen). Und unter der Welt- oder Galaxieherrschaft geht es ja kaum noch. Inflationäre Verfilmungen hauen den Helden und deren Widersacher immer noch ein wenig bombastischer auf den  Kopf. Es ist -wie ich in vielen Gesprächen mitbekomme- inzwischen eine Haßliebe der Fans. Die interessanten US-Comics laufen heute bei Image und Dark Horse. Und so wundert es nicht, dass gerade bei Dark Horse bzw. in der deutschen Ausgabe bei Splitter ein hervorragender Comic zum Thema erschienen ist. Jeff Lemire, den ich sowieso sehr schätze und für einen der zehn begnadetsten grafischen Erzähler halte, liefert hier gleichzeitig eine Hommage und Abgesang auf das Genre. Ein wunderbarer Comic.

 

Funny

Spirou präsentiert: Zyklotrop – Die Tochter des Z
von Munuera, Carlsen

Zyklotrop Comic

Der perfekte Comic, vor allem für Väter von Töchtern. Für Kinder ist dieser locker-flockige Spirou & Fantasio-Spin-Off nur bedingt geeignet. Munuera, seines Zeichens ein weiterer Lieblingzeichner unseres Ladens ("Zauber", ECC; "Spirou & Fantasio", Carlsen; "Fraternity", ECC) hat diesen Band getextet und gezeichnet. In der neu gestarteten Reihe wird der Fokus auf Nebenfiguren des Spirou-Universums gelegt. Hier in diesem Fall gibt es eine Geschichte über den alten Schurken Zyklotrop und seine Tochter.

 

Manga

Ihr sucht nach neuem Manga-Stuff? Hier zwei vielversprechende Serienneustarts:

In this corner of the world
von Fumiyo Kouno, Carlsen

In this corner of the world #1 Manga

Suzu Urano, ein Mädchchen mit viel Fantasie und großem Zeichentalent, wächst wohlbehütet in Hiroshima auf. Mit ihrer Heirat wird sie Mitglied der Familie ihres Ehemanns und zieht in die  Militärhafenstadt Kure. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs erschwert die täglichen Lebensbedingungen immens. Trotz der widrigen Umstände gelingt es ihr, ein glückliches Leben zu führen – bis ein Bombardement im Jahr 1945 ihr Leben erschüttert.

Behutsam und in zarten Bildern erzählt der Manga eine Geschichte aus Kriegszeiten, die den Fokus auf den Alltag der Menschen im Japan der 1940er-Jahre richtet. Die dreiteilige Miniserie wurde auch als Anime-Kinofilm adaptiert. – Pressetext, Carlsen

 

The Promised Neverland 1
von Kaiu Shirai, Posuka Demizu, Carlsen

The promised Neverland #1 Manga

Die Frau, die sie wie ihre Mutter lieben, ist nicht ihre wirkliche Mutter, und die Kinder, mit denen sie zusammenleben, sind nicht ihre Geschwister. Denn Emma, Norman und Ray wachsen wohlbehütet in einem kleinen Waisenhaus auf. Doch eines Tages endet ihr glücklicher Alltag abrupt, als sie die schockierende Wahrheit über ihr Zuhause erfahren. Welches Schicksal wird die Kinder erwarten…?! – Pressetext Carlsen

Kids

Ich finde es eigentlich ein wenig spießig, wenn Leute darauf bestehen, dass Kinder aus Comics etwas lernen können (müssen). Comics sind in erster Linie tatsächlich kein Lernmaterial für Kinder, die nicht lesen können oder möchten. Das kann zwar funktionieren, läuft aber weit unter den Möglichkeiten des Mediums. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle eine Comicreihe empfehlen, bei der Kinder etwas lernen, die aber auch sehr gut aufgebaut ist, viel Spaß machten und auch künstlerische Qualitäten bietet. Die Rede ist von der Reihe "Eine kleine Reise…", in der bereits Bücher zu verschiedenen Themen erschienen sind (wir haben alle Bände auf Lager). Es geht in die Urzeit, in die Savanne, auf den Bauernhof, in den Wald und hier gleich zum Meer:

Einen kleine Reise zum Meer
von Federico Bertolucci, Frédéric Brrémaud, Popcom

Eine kleine Reise zum Meer Comic

Für den visuellen Spaß für Kinder ab 6 Jahren sorgen zwei Künstler, die uns auch schon die bemerkenswerte Tiercomicreihe "Love" beschert haben.

Wem das jetzt zu pädagogisch war, der greift zur Neuauflage von Clever & Smart, dem Schrecken des Bildungsbürgertums. Die erste Auflage der Neuedition ist bereits vergiffen, aber wir haben noch einige Exemplare auf Lager. 🙂


Schöne Ostern
wünscht der Fr4nk

Bestseller 2017

Comicfans, ich wünsche Euch einen fulminanten Rutsch ins neue Jahr! 2018 wird hier ein besonderes Jahr: Comics & Graphics feiert 10-jähriges Jubiläum. Dazu aber später mehr. Zum Jahresausklang präsentiere ich hier noch die Top-5-Bestseller. Da viele Titel nach dem fünften Platz sehr dicht zusammen oder sogar gleichauf liegen, verzichte ich auf eine längere Liste.

 

1. Asterix in Italien
von Conrad und Ferri, Egmont

Same procedure as every Asterix year. Asterix ist ungeschlagener Bestseller auf dem gesamten Comicmarkt. Solides Album, toll gezeichnet, aber halt auch "das Übliche", wenn ich mir die Kritik erlauben darf. Liebe Asterix-Leser: es gibt noch andere gute Comics. ZB. auch von Asterix-Zeichner Conrad. Schaut mal rein!

Asterix in Italien

 

2. Orbital
von Silvain Runberg und Pelé

Eine kleine Überraschung, denn der Titel ist schon etliche Jahre alt, aber eine unserer ersten Empfehlungen für Science Fiction interessierte Leser. Da wir dieses Jahr viele Neukunden dazu gewinnen konnten, ist der Band nochmal so hoch platziert.

Orbital 1 Brüche Comic

 

3. Geisel
von Guy Delisle, Reprodukt

Die eindringliche Graphic Novel über eine Gefangenschaft ist nicht ganz so gut eingeschlagen wie seine Berichte über den Clash of Cultures und den ganz alltäglichen Wahnsinn in anderne Ländern. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau, Platz 3 in einem Asterixjahr ist natürlich ein absolutes top Ergebnis.

Geisel

 

4. Nick Cave – Mercy on me
von Reinhard Kleist, Carlsen
Gratulation an den Berliner Zeichner, Reinard Kleist. Die Mischung aus Mythos und Biografie des Kultmusikers hat viele Leute begeistert.

Nick Cave Graphic Novel

 

5. Mickeys Craziest Adventures
von Lewis Trondheim und Keramidas, Egmont

Die Micky Homages aus der Feder gestandener frankobelgischer (und Schweizer) Zeichner sind tatsächlich das Beste, was zur Zeit unter dem Label veröffentlicht wird. Ich stelle die drei bereits erschienen Bände später nochmal ausführlicher vor.

Mickeys Craziest Adventures Comic

Comic des Jahres 2017

Auch dieses Jahr hat der Tagesspiegel nach den Comics des Jahres gefragt. Einerseits fand eine Leserumfrage statt, andererseits wurde der Comic des Jahres von einer Jury bestehend aus Journalisten und Comicfachhändlern gekürt. Die interessanten Ergebnisse lassen sich auf der Comic-Website des Tagesspiegels nachlesen.

Als der Comic des Jahres wurde die düstere Romanadaption Brodecks Bericht gekürt, herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle an den Zeichner Manu Larcenet und an Reprodukt.

Brodecks Bericht Graphic Novel

Hier noch die Begründungen, die ich für meine persönlichen fünf Favoriten eingereicht habe (der folgende Text erschien zuerst auf der Website des Tagesspiegels).

Platz 5: Nagabe: Siúil, a Rún – Das fremde Mädchen, Band 01 (Tokyopop)
Neulich habe ich mal in einer Rezension einen schönen Satz gelesen: Der Hinweis, das nicht alle Mangas stereotypen Mustern oder Zeichenstilen folgen, ist selbst schon ein Klischee. Dem kann ich nur zustimmen, und eigentlich sollte es im Jahr 2017 nicht mehr notwendig sein, auf die Vielfalt in den japanischen Comics hinzuweisen. Da die Realität allerdings anders aussieht und doch meiner Wahrnehmung nach weiterhin Vorurteile bestehen, mache ich jetzt gerne an dieser Stelle nochmal den Fehler: Dieser Manga entspricht nicht der landläufigen Klischees über Mangas. "Siúil, a Rún" ist eine kleine Entdeckung, die ich hier gerne teilen möchte, auch damit dieser Titel nicht in der Flut der Neuerscheinungen im Comic- und Mangabereich untergeht. Erzählt wird die Geschichte eines kleinen Mädchens, das bei einem seltsamen, groteskem Wesen mit einer Art Geweih lebt, das Doktor genannt wird. Die Gegend ist verlassen und nur in der Fremde scheint es noch andere Menschen zu geben. Die beiden Protagonisten scheinen vertraut, dürfen sich seltsamerweise aber nicht berühren… Die irritierende und dabei auch sehr herzliche Geschichte ist ein Märchen für ältere Jugendliche und Erwachsene mit Sogwirkung. Sie triggert ganz hervorragend die Neugier des Lesers, unbedingt wissen zu wollen, was da im Himmelswillen vor sich geht. Ein echter Pagetuner, um noch einen Anglizismus zu bemühen. Im Januar soll ein zweiter Teil erscheinen.

Siúil, a Rún – Das fremde Mädchen, Band 01

Platz 4: Bouzard: Lucky Luke – Jolly Jumper antwortet nicht: Hommage 2 (Egmont)
So, so. Da kommt als ein gewisser Bouzard daher, und möchte sich über Lucky Luke lustig machen. Über MEINEN Lucky Luke. Da ist erst einmal Skepsis angesagt, immerhin ist Lucky Luke einer der besten Funny-Serien aller Zeiten und seines Zeichens meine Einstiegsdroge in die Welt der Comics. Wie sollte man dies toppen? Erschienen ist der Band "Jolly Jumper antwortet nicht" als Lucky Luke Hommage 2 (nach Bonhommes herausragendem Album "Der Mann, der Lucky Luke erschoss", vgl. Comics des Jahres 2016). Um es kurz zu machen: das Kunststück ist gelungen. Während Achdé mit "Das gelobte Land" dieses Jahr ein durchaus grundsolides und thematisch heute wieder mutiges Thema aufgreift, ist der Jolly Jumper Band nicht nur irgendein weiteres Lucky Luke Abenteuer in der Tradition der Serie. Dieses darf man auch nicht erwarten. Bereits die erste Seite des Comics zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Bouzard glänzt mit einer Sorglosigkeit und Unbefangenheit, und einer liebevollen Respektlosigkeit in karikierenden Stil und einer völlig eigenen Art von Humor, die diesen Comic zu nichts weniger als den lustigsten Lucky Luke Band der letzten Jahre machen. Erfrischend und unverbraucht. Ich denke Morris und Goscinny hätten ihre Freude an dem Band. Einmal mehr wird hier gezeigt, dass man die Comickünstler einfach mal machen lassen sollte. Wie auch in der anderen Lucky-Luke-Hommage, in Spirou-Spezial-Bänden oder den kürzlich erschienenen Mickey-Hommagen entstehen hier überraschende und originelle Comics mit neuen Blickwinkeln. Das ist natürlich alles hochgradig selbstreferentiell, im vollen Umfang kann man viele Anspielungen nur deuten, wenn man die Comics oder deren Eigenheiten zumindest halbwegs kennt, aber das ist eben eben auch Comickultur in Höchstform. Wer die Serie Lucky Luke noch gar nicht kennt, sollte eventuell erst ein paar Originale lesen. Es lohnt sich.

Jolly Jumper antwortet nicht Comic

Platz 3: Benjamin Renner: Der große böse Fuchs (Avant)
Dieser Fuchs ist eigentlich nicht groß. Und auch nicht böse, er versucht es aber zu sein. Nur will ihm das nicht gelingen, denn es ist nicht einfach jemand zu sein, der man nicht ist. Eines Tages hat er mit seinem Kumpel, den Wolf die grandiose Idee, Eier zu stehlen, diese auszubrüten und sich damit das Futter selber zu züchten. Nur die Küken wollen halt lieber seine Freunde sein statt sich von ihm fressen lassen. Dieser Comic für Kinder, den man wie viele gute Kinderbücher auch als Erwachsener lesen kann ist tatsächlich allerliebst. Analoges, handgemachtes Artwork und ein feinsinniger und herzlicher Humor machen den recht umfangreichen Band zu einem der sympathischsten Comics des Jahres.

Der grosse böse Fuchs

Platz 2: Xavier Dorison, Mathieu Lauffray: Long John Silver, Gesamtausgabe (Carlsen)

Kommen wir mit "Long John Silver" zum gepflegten Eskapismus für die Weihnachtsferien, zu einem Ausflug in die Jugend. Was "Herr der Ringe" für das Fantasy-Genre, der Lovecraft'sche Cthuhlhu-Mythos für die unheimliche Phantastik ist, das ist Robert Louis Stevensons "Schatzinsel" zweifellos für die Abenteuer-Geschichten: ein Eckpfeiler und Ideenpool des Genres – oft kopiert und nie erreicht. Der Roman ist bereits in den 1880er Jahren erschienen. Neben der Stimmung, den ikonenhaften Figuren, dem sprachlichen Anspruch inklusive des ganzen Vokabulars beispielsweise über die Seefahrt und die Ausstattung der Schiffe, überzeugt die Geschichte vor allem mit der Figur des Piraten Long John Silver. Silver ist, betrachtet man die Entstehungszeit des Romans (immerhin 100 Jahre vor Game of Thrones & Co.) als Antagonist erstaunlich intelligent und vor allem ambivalent. Er ist weder der Gute noch der Böse, er ist ein Charakter der in einer Sekunde die Seiten wechselt und in dem Roman mehrfach gedreht wird. Eigentlich bleibt er dabei aber immer auf seiner Seite. Er ist verschlagen, aber gleichzeitig auch nicht herzlos. Bekanntlich entkommt Silver am Ende des Romans. Der Comic "Long John Silver" setzt nun 20 Jahre nach den Geschehnissen der Schatzinsel an. Der berüchtigte Pirat taucht wieder auf, und es entspinnt sich eine spannende Abenteuergeschichte bis hin zu den fast ruhigen und poetischen letzten Seiten. Die Autoren Dorison und Lauffray sehen das Werk, wie sie selbst in einer gewissen Demut vor dem Original sagen, nicht als Fortsetzung oder Adaption, sondern als Hommage. Sie versuchen auch zum Glück nicht noch einmal die gleiche Geschichte in anderem Gewand zu erzählen. Und so funktioniert dieser Comicband auch ganz hervorragend. Exotische Schauplätze in bemerkenswerten, fantastischen Artworks machen den Comic zu wahren Leckerbissen der franko-belgischen Comickunst. Der Band enthält alle vier Teile der ehemals als Serie aufgelegten Geschichte, sowie einiges an Bonusmaterial.

Long John Silver Gesamtausgabe

Platz 1: Romain Renard: Melvile, Band 2 – Die Geschichte von Saul Miller (Splitter)
Als der erste Band der Reihe erschien, habe ich mir den Klappentext durchgelesen, und den Band achselzuckend ungelesen zu den Novitäten ins Regal gestellt. Ein Fehler, wie sich später herausstellte. Vor ein paar Wochen erschien nun der zweite Band des eigentlich nicht auf eine Serie angelegten Titels. Da wollte ich nochmal nachhaken, und ich hab die beiden Bände verschlungen. Melvile ist ein Ort in Kanada, und Dreh- und Angelpunkt der Comicreihe. Hier lebt Saul Miller, ein Professor der Astrophysik, ein zurückhaltender Mann, der aber gute Verhältnisse zu einigen Nachbarn unterhält. Umringt wird der 500 Seelen-Ort von Wäldern riesigen Ausmaßes, in den sich "die Jäger" herum treiben. Als Folge einer Diskussion bricht die Idylle im weiteren Verlauf der Geschichte in sich zusammen. Melvile verzichtet dabei komplett auf Action, und setzt auf Psychologie und Atmosphäre, man könnte das Buch als Mystery Drama einordnen. Die Geschichte mutet dabei seltsam an, und ist am ehesten eventuell noch mit der TV-Serie "Twin Peaks" von David Lynch vergleichbar. Ich möchte dazu auch nicht viel mehr verraten. Der Reiz des Buches ist vor allem die Art und Weise, wie erzählt wird. Der Comic ist wunderbar unökonomisch gezeichnet und ebenso dekomprimiert erzählt. Beispielsweise zoomt der Zeichner auf den ersten 20 Seiten erst einmal quer durch den Weltraum in den Ort des Geschehens. Dann wird der Leser mit eigentlich fast fotorealistisch anmutenden Bildern und tollen Perspektiven und einer sehr starken Kolorierung überrascht, die die Bilder zu Gunsten der Stimmung stark verfremdet. Neben dem narrativen Element ist der Comic eigentlich auch ein Artbook und ein multimediales Kunstprojekt. An einigen Stellen befinden sich Links in dem Buch, die über Scans mit dem Smartphone zu Audiotunes führen. Ich muss gestehen, ich hab das nicht verfolgt oder ausprobiert, da ich beim Lesen meine Ruhe haben will, insofern bezieht sich meine Kritik und Empfehlung zu diesem Buch rein auf das gedruckte Buch selbst. Das Buch bietet – man verzeihe mit die Phrase, diese trifft hier einfach zu – eines der intensivsten Leseerlebnisse, das man in einem Comic haben kann.

Melvile Graphic Novel

Asterix in Italien

Am 19. Oktober 2017 erscheint der neue Band: Asterix in Italien, seines Zeichens der 37. Band der Serie und der dritte Band aus der Feder des Künstlerteams Didier Conrad und Jean-Yves Ferri.
 

Asterix in Italien- Coverabbildung

Coverabbildung. Quelle: obs/Egmont Ehapa Media GmbH

Wie immer werden wir die verschiedenen Ausgaben in Soft- und Hardcover vorrätig haben.

Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass es wie bereits zu dem letzten Band eine Superluxusausgabe zu Asterix in Italien geben wird. Die Auflage wurde im Vergleich zu der letzten Ausgabe nochmal um 100 Exemplare gesenkt und beträgt diesmal 399 Stück, erhältlich ist sie nur im Comicfachhandel.

Die Superluxusausgabe erscheint am 23. November, und bietet folgende Features:

  • limitiert und nummeriert auf 399 Exemplare
  • enthält auf 122 Seiten die schwarz/weiß Ausgabe des Comics, zusätzliche Illustrationen und Skizzen mit Details zum Entstehungsprozess von Figuren, Storyboard und Szenen
  • enthält zwölf Kunstdrucke (320g Papier), davon ein Druck signiert von Conrad, ein Druck signiert von Ferri
  • Preis: 199,- EUR einschl. MWSt

Wie lange solche Ausgaben lieferbar sind, weiss man bekanntlich immer erst nachdem sie vergriffen sind. Bei Interesse möchte ich aufgrund der Limitierung eine Vorbestellung im Laden, per Email oder Fon empfehlen. Wir versenden innerhalb Deutschlands portofrei, Versandkosten ins Ausland auf Anfrage. Aussagekräftiges Bildmaterial ist leider noch nicht verfügbar.

Asterix Artbook bei uns reservieren

 

Wir haben übrigens noch ein Exemplar der Luxusausgabe "Der Papyrus des Cäsar" vorrätig, siehe Asterix ltd: Der Papyrus des Cäsar. Bei Interesse bitte melden.

 

Only What’s Necessary

Endlich mal wieder ein Comic der Woche. Und endlich gibt es mal wieder einen schönen Peanuts-Sammelband.

Peanuts Sonntagsseiten - Sammelbände

Die Peanuts von Charles M. Schulz sind sicherlich einer der prägenden und beliebtesten Comicstrips überhaupt. Die unprätentiösen, humorvollen bis melancholischen Geschichten in einem auf den ersten Blick sehr einfachen, aber den zweiten Blick perfekt pointierten Zeichenstil, der einmal zu einem Peanuts-Buchtitel namens "Only What's Necessary" (dt. "Kein Strich zuviel", Bastei Lübbe 2015) führte, erfreuen seit den 50er Jahren Leser aller Altersstufen.

Peanuts Sonntagsseiten - Sammelband - Cover

Es gibt natürlich für die absoluten Peanuts-Fans die schöne, chronologisch geordnete Gesamtausgabe der Peanuts in 25 Bänden (dt. bei Carlsen, engl. bei Fantagraphics). Nun wird sich ev. nicht jeder 25 Bände Peanuts ins Regal stellen und dann noch durchlesen wollen (no offence an die Fans!).

Was seit vielen Jahren fehlte war ein richtig schöner Sammelband mit ausgewählten Strips. Die Ausgabe unter dem Titel "Das grosse Peanuts Buch" (ebenfalls bei Carlsen) aus dem Jahre 2010  war an Hässlichkeit leider nicht zu überbieten: die klassischen, charmanten und analogen Comics wurden in ein Cover mit silbern funkelnder Effektfolie eingeschlagen, und auch im Innenteil gab es recht unpassende Desktoppublishing-Künste zu bewundern. Ein Albtraum.

Aber blicken wir nach vorn, oder besser in die Gegenwart. So sieht der neue Band aus, und ich bin begeistert. Das ist das Format, wie ich mir einen Best-Of-Band der Peanuts vorgestellt habe: Hardcover, schön gestaltetes Cover (welches auch dem Charme der Comics Rechnung trägt), tolle Haptik, stumpfes, nicht reflektierendes Offsetpapier und ein richtig schön dicker Schmöker mit über 520 Seiten. Ein Buch, dass man zu Hause am besten für immer auf dem Tisch liegen lassen möchte, und in das oft und gerne reinblättert. Danke an Carlsen für diese tolle Ausgabe.

Peanuts Sonntagsseiten - Rückansicht

Peanuts Sonntagsseiten - Innenansicht

Der Band mit dem Titel Peanuts Sonntagsseiten – Snoopy der Star! enthält wie der Name schon sagt die Sonntagsseiten des Strips, die im Gegensatz zu den Werktagsseiten durchgehend koloriert angelegt wurden.  Die Auswahl der Strips enthält auf über 500 Seiten alle Peanuts-Sonntagsstrips der Jahre 1961-1970, das enstpricht der Hochphase des Comics. Der Band kostet 29.99 EUR.

Bestellungen, zB. per Email oder Anruf sind wie immer willkommen.

 

 

Comics der Woche: Unterwasser-Schweisser und Spirou Spezial 24

Da letzte Woche der Comic der Woche ausgefallen ist, gibt es diese Woche gleich zwei Comictipps. Und die könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der Unterwasser-Schweisser

Jeff Lemires Comic liegt nun endlich auch auf Deutsch vor, und ist überraschenderweise im Hirnstorff-Verlag erschienen. Lemire – dafür bekannt Graphic Novels (Essex County) ebenso wie anspruchsvolle Unterhaltungs-Serien (Descender, Sweet Tooth) zu meistern, lieferte hier bereits in 2012 bei Top Shelf eine Comicperle ab, die gleichzeitig durch surreale und lebensnahe Elemente besticht. Lemire hat dabei ein besonderes Talent für grafisches Erzählen. Er ist ein Meister der Sequenz und nebenbei gesagt einer meiner fünf Lieblingszeichner. Seine Zeichnungen wirken auf den ersten Blick sperrig, beim lesen entfaltet sich jedoch eine intensive, leicht melancholische Geschichte mit präzisen Blicken in die Charaktere, eine Geschichte über Väter und Söhne.

Der Unterwasser.Schweisser Graphic Novel

„Die wohl spektakulärste Episode von The Twilight Zone, die nie produziert wurde.” mein Damon Lindelof, Produzent und Drehbuchautor, u.a. LOST

Kleiner Schmunzler am Rande: auf der Webseite des Hirnstorff-Verlages erhalten Graphic Novels das Attribut "durchgehend illustriert". 🙂

 

Spirou & Fantasio Spezial: Der Meister der schwarzen Hostien

Retro-Retro! Yves Chaland macht in den 80er Jahren Comics, die an die Comics der 50er Jahre erinnerten. Sein Stil, eine Weiterentwicklung der Ligne Clair wurde übrigens Atom-Stil genannt. Namensgebend ist der Bau des Atom-Models in Brüssel in den 50er Jahren (Atomium, 1958). Chaland stirbt viel zu früh. Aber nun spinnen Schwartz & Yann den stilistischen Gedanken weiter. Als Plattform dafür haben sie ein weiteres Album aus der Serie Spirou & Fantasio Spezial erschaffen. Der Meister der schwarzen Hostien setzt die Geschichte aus Die Leopardenfrau fort, Spirou bewegt sich hier in der vom zweiten Weltkrieg gebeutelten Gesellschaft und die Nachfolgen der belgischen Kolanialgeschichte.

Spirou Spezial - Der Meister er schwarzen Hostien Comic

Die Comicreihe Spirou zeichnet sich dadurch aus, dass über Jahrzehnte immer wieder neuen Künstlern erlaubt wurde, Spirou auf ihre eigene Art und Weise, mit viel künstlerischer Freiheit neu zu erfinden. Einige der besten Spirous sind dabei in der Spezial-Reihe erscheinen, die Arbeiten von Schwartz sind dabei grafische Leckerbissen. Darunter zB. der großartige Band von Emile Bravo, der als erstes in die Jugend von Spirou zZ. des zweiten Weltkrieges spielt. Daran schließen sich drei Alben des Teams Schwartz und Yann an:

  • Operation Fledermaus
  • Die Leopardenfrau
  • Der Meister der schwarzen Hostien

Die Bände sind inhaltliche und visuelle Highlights des Spirou-Universums, die Liste entspricht der empfohlenen Lesereihenfolge.

Der Band wird vom Verlag ab 12 Jahren empfohlen. Ich meine jedoch dass sich die Geschichten eher an erwachsene Leser richten.

Comic der Woche: Paper Girls

Die Paper Girls sind vier Teenager-Mädchen, die in einer spießigen Vortstadt in den 80er Jahren mit dem Fahrrad Zeitungen ausfahren. Bis sie auf mysteriöse Wesen treffen, die Aliens sein könnten, oder einfach durch die Zeit reisen. Man weiß es zuerst nicht so genau. 

Paper Girls 1 Comic

Was nach dieser Zusammenfassung nach unterhaltsamer Bubblegum-Comic-Lektüre klingt, entfaltet sich im Detail und vor allem durch seinen 80er Jahre Flair und die sorglose Herangehensweise des Author Brian K. Vaughan (Lost, We Stand On Guard, Y the last Man, Saga) und auch der Mischung aus Coming of Age und Mystery zu einem empfehlenswerten und vielversprechendem Serienstart. Vaughan ist und bleibt einer der kreativsten und originellsten Autoren des aktuellen amerikanischen Unterhaltungs-Comics.

Die Serie wurde in den USA 2016 mit der Eisner Awards  "Best New Series" und "Best Penciller" ausgezeichnet. Die deutsche Ausgabe erschien soeben bei Cross Cult und ist unser Comic der Woche.

Spiegel Online attestierte den Paper Girls übrigens: "Das erinnert an 'Stranger Things', tappt aber nicht in dessen Retrofalle". Nun in der Tat ist dieser Comic ein Werk der Gegenwart und kein Comic aus den 80ern, und man merkt dies dem Comic auch an. Wieso allerdings Stranger Things in die Retro-Falle tappt, will mir nicht einleuchten. Die Serie ist ebenso empfehlenswert, ev. abgesehen von einer manchmal etwas nervenden, überagierenden Wynona Ryder. Links und assoziative Empfindungen zu den 80ern gehören in solchen Werken numal dazu, das ist ja gerade der Salz in der Suppe. Bitte mehr von diesen "Fallen".

Comic der Woche: Turing

Ab sofort werden wir Euch jeden Donnerstag den Comic der Woche präsentieren. Dabei wird es sich immer um Neuerscheinungen der letzten Tage aus den verschiedensten Genres und Formaten handeln.

Den Auftakt macht die Graphic Novel Turing aus dem Hause Avant.

Alan Turing Graphic Novel Avant

Robert Deutsch liefert hier ein beeindruckendes Debütalbum ab. Auf knapp 200 Seiten erzählt Deutsch die Geschichte des Informatikpioniers Alan Turing, der zB. maßgeblich an der Entschlüsselung des Enigma-Codes der Nazis zur Zeit des Zweiten Weltkrieges beteiligt war. Der Comic ist nicht nur thematisch, sonder auch stilistisch durch seine Eigenständigkeit sehr interessant. Unbedingt reinschauen!

 

Alan Turing zählt zu den Erfindern des modernen Computers und gilt als einer der wichtigsten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, dessen Beiträge zur Informatik bis heute von unschätzbarem Wert sind. Doch wer war Turing wirklich? Wie lebte und arbeitete er, und was führte zu seinem Suizid mit gerade einmal 41 Jahren?

Turing von Robert Deutsch beleuchtet auf einfühlsame Weise ein außergewöhnliches Leben, das sich zwischen königlichem Ritterschlag und versteckt ausgelebter Homosexualität, zwischen Erfindergeist und Depression bewegte.
Der aus Leipzig stammende Autor zeichnet in seinem bisweilen fast kubistisch anmutenden Stil das Portrait eines Menschen, dessen sympathisch-naive Verschrobenheit auf die unerbittliche Realität im England der Nachkriegszeit trifft.
– Pressetext 

Guy Delisle in Berlin – Update

Der frankokanadische Comiczeichner Guy Delisle kommt nach Berlin. Am 23. März stellt er sein neues Buch Geisel vor.

23. März – Beginn: 20 Uhr
Ex-Rotaprint, Projektraum
Gottschedstraße 4, 13357 Berlin
Eintritt: 5 EUR, ermäßigt: 3 EUR
In englischer Sprache

1997 wird Christophe André, Mitarbeiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, im Nordkaukasus von tschetschenischen Separatisten entführt. Guy Delisle hat Christophe André einige Jahre später getroffen und die Geschichte seiner Geiselhaft aufgezeichnet: 111 Tage Warten, ohne jedes Wissen um das, was draußen passiert, ob man ihn für tot hält oder um seine Rettung bemüht ist.

Guy Delisle, Autor so erfolgreicher Reportagecomics wie “Aufzeichnungen aus Jerusalem”, “Aufzeichnungen aus Birma” und “Pjöngjang” ist neben Joe Sacco zweifellos der bekannteste Comicdokumentarist. Zum ersten Mal nimmt er sich hier einer fremden Geschichte an und setzt sie sensibel und erschütternd zugleich um. – Pressetext

 

Wir erwarten das neue Buch bis Ende dieser Woche, ich halte euch auf dem Laufenden.

Update: Die Bücher sind inzwischen bei uns eingetroffen.

Im Comicblog der FAZ gibt es eine Besprechung des Comics: Wie erzählt man 112 Tage Warten?

Reddition 65 – Dossiers Andreas & François Schuiten

Die 65. Ausgabe des besten deutschsprachigen Comicmagazins ist gerade bei uns eingeschlagen. Die aktuelle Ausgabe widmet sich in gewohnter Tiefe den beiden großartigen Comickünstlern Andreas und Schuiten.

Reddition 65 - Schuiten und Andreas

Wie immer gilt: zugreifen, solange der Vorrat reicht. Als besonderes Goodie stehen uns einige Exemplare des Bonusheftes "Monster" zur Verfügung, einem Reprint eines Minicomics, den Andreas in den 80er Jahren gezeichnet hat, und welcher eigentlich vom Verlag nur an Reddition-Abokunden vergeben  wird. Diese kleine Rarität geben wir kostenlos im Bundle mit der Reddition an Kunden ab, die bei uns Comics von Andreas erwerben bzw. in der Vergangenheit erworben haben – als kleines Dankeschön an unsere treuen Stammkunden.

Selbstverständlich bekommt ihr bei uns diverse Comics der beiden Künstler aus dem Hause Schreiber & Leser. Reinschauen!

 

Essai – Ein Versuch, frei zu leben

Essai Graphic Novel

Essai, das bedeutet soviel wie Versuch, und der Titel war Programm. Anarchisten und Kommunisten um Fortunè Henry lassen sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mitten in der Natur in den Ardennen nieder und starten das Experiment der Selbstverwirklichung in einem selbst errichteten Dorf. Erzählt wird Aufstieg und Fall dieses Ortes. Das Buch verschweigt nicht, wie am Reißbrett entworfene Ideologien auf menschlicher Ebene scheitern, oder wie paradox es wird, wenn Menschen anderen Menschen eine Ideologie der Freiheit aufzwingen wollen, wie schnell der libertäre Gedanke zum Kommunismus oder Terrorismus kippen kann. Insgesamt bezieht die Graphic Novel jedoch erfreulich wenig Stellung, sondern schildert viel mehr die Ereignisse, wie sie vermutlich stattgefunden haben. Der Comic ist eigentlich kein politisches Statement für oder gegen irgendeinen *ismus, sondern eher Faszination für das, was damals passiert ist. Besonders betont wird der Aspekt des Aussteigens aus der bestehenden Gesellschaft, der Berge versetzende Wille zur Selbstbestimmung und die Beziehung zur Natur mit wunderbaren Bildern. Into the wild. Ich muß sagen, ich habe selten so stimmungsvolle und schön kolorierte Landschaftszeichnungen in einem Comic gesehen. Lesetipp!

Das Buch enthält einen redaktionellen Teil mit einigen Fotos und weiteren Informationen zu den zeitgeschichtlichen Begebenheiten.

Essai
von Nicolas Debon
Carlsen-Verlag
Hardcover, 96 Seiten, in Farbe, 19.99 EUR

Der Mann, der Lucky Luke erschoss VZA

Gerade ist das neue Lucky Luke Album erschienen – diesmal eine Hommage aus der Feder des Zeichners Matthieu Bonhomme. Das Besondere daran ist, dass dem Zeichner bei diesem Album mehr Freiheit zur Interpretation gelassen wurde. Im Vergleich zu Achdé, der mehr oder weniger den Stil von Morris adaptiert hat und dessen Alben sich in die Serie grafisch einfügen, hat Bonhomme hier mehr eigenen zeichnerischen wie auch erzählerischen Stil in das Buch gebracht. Das soetwas gut bei klassischen Alben dieses Kalibers, die eine gewisse Erwartungshaltung hervorrufen funktionieren kann, zeigten in der Vergangenheit bereits verschiedene Alben der Spirou Spezial Serie, immerhin sind dort einige der besten Spirous erschienen (zB. von Émile Bravo oder Schwartz & Yann). Nun gibt es diesen Ansatz also auch bei Lucky Luke. Der neue Band wird regulär im August in die Läden kommen. Wir haben jetzt einige wenige Exemplare der Vorzugsausgabe erhalten, die für das Comicfestival in Erlangen produziert wurden, und die wir ab sofort anbieten.

Der Mann, der Lucky Luke erschoss Cover der Vorzugsausgabe

Cover der Vorzugsausgabe

Die Vorzugsausgabe hat im Vergleich zur dt. Standardausgabe ein anderes Cover, 8 Seiten mehr mit schönen Skizzen, ist komplett in s/w gehalten (Tusche), von Bonhomme signiert und auf 444 Exemplare limitiert und durchnummeriert. Preis: 49.- EUR

Der Mann, der Lucky Luke erschoss Innenansicht der Vorzugsausgabe

Innenansicht der Vorzugsausgabe

Seid schneller als Euer Schatten: Selbstabholer können das Album gerne bei uns reservieren:

Der Mann, der Lucky Luke erschoss bei uns reservieren

Solange der Vorrat reicht. Versand auf Anfrage.

Berliner Mythen

Reinhard Kleists neuer Comic ist vor einigen Tagen erschienen. Unsere langjährige Stammkundin und Comicleserin Nikodinte hat uns dazu ein paar schöne Zeilen zugesandt, die wir Euch nicht vorenthalten möchten:


Gastbeitrag von Nikodinte: Mythen aus der Taxiwelt

Berlin. Das sind die Toten mit den längsten Geschichten. Sie werden weiter getragen. Bei Taxifahrten durch die City, in Kneipen und in Ateliers und Studios. Manchmal kommt da eine Persönlichkeit bei raus. Der neue Comicband von Reinhard Kleist hat einige dieser berühmten Storys gesammelt und den Flair der Stadt darin verwoben. Herausgekommen ist ein Comic mit Potential zum Klassiker. Malerische farbige Abbildungen und einleitende Sätze zu Kontext und Zeit veredeln den historischen Wert der Ausgabe. Alles über Feindseligkeiten und Kämpfer und natürlich die loyalen Erzähler der Geschichten, die diese Stadt letztendlich zu dem machen was sie ist: Die Stadt der ewigen Geschichten.

Berliner Mythen
von Reinhard Kleist
Carlsen
Softcover, 14.99 EUR

30 Jahre Tschernobyl

Heute vor 30 Jahren kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zur Katastrophe. Der DDR gelang es damals nicht den Unfall in der Ukraine, damals noch Teil der Sowjetunion, zu verheimlichen, aber auch in den westlichen Medien wurde nicht umfassend berichtet.

Vor einigen Tagen ist zu diesem Thema eine Graphic Novel mit einem sehr persönlichen Blick auf Schicksale betroffener Menschen erschienen:

Tschernobyl – Rückkehr ins Niemandsland
von Natacha Bustos, Francisco Sánchez
Egmont Graphic Novel
Softcover, 192 Seiten, s/w,  19.99 EUR

Am 26. April 1986 explodierte der vierte Reaktor des Kernkraftwerks in Tschernobyl. Der kleine Ort im Norden der Ukraine gilt seitdem als Synonym für die Gefahren der Kernenergie. Diese Graphic Novel erzählt aus den Blickwinkeln verschiedener Generationen einer Familie, die über Nacht gezwungen war, alles zurückzulassen. In Rückblenden wird das Leben vor dem Unglück gezeigt, die Träume, Wünsche und Hoffnungen, bis die Kernschmelze einsetzte und die Evakuierung begann… Ist eine Rückkehr in die alte Heimat möglich? – Pressetext Egmont

 

Etwas länger auf dem Buchmarkt ist der Reisebericht  Ein Frühling in Tschernobyl von Emmanule Lepage, der hier (wie auch schon in seinen Reiseberichten in die Antarktis) vor allem durch seine gezeichneten Impressionen bewegt.

Ein Frühling in Tschernobyl Graphic Novel

In Tschernobyl beginnt der Reaktorkern des Atomkraftwerks zu schmelzen. Eine radioaktive Wolke zieht über mehrere tausend Kilometer hinweg, ohne dass irgendjemand davon weiß – und sich davor schützt. Es ist die größte Nuklearkatastrophe des 20. Jahrhunderts, die zehntausende Opfer fordern wird. Emmanuel Lepage ist zu dieser Zeit 19 Jahre alt. Ungläubig sieht und hört er die Nachrichten im Fernsehen. 22 Jahre später, im April 2008, fährt er nach Tschernobyl, um mit seinen Texten und Zeichnungen vom Dasein der Überlebenden und ihrer Kinder in dem hochverseuchten Gebiet zu erzählen. Als er beschließt, auf Anfrage des Vereins Dessin’acteurs dort hinzufahren, hat Lepage das Gefühl, dem Tod entgegenzutreten. Als er im Zug sitzt, der ihn in die Ukraine bringt, geht ihm eine Frage nicht mehr aus dem Sinn: Warum bin ich hergekommen? – Pressetext Splitter

Ein Frühling in Tschernobyl
von Emmanule Lepage
Splitter
Hardcover, 168 Seiten, s/w 29.80 EUR

 

Ein interessantes Thema macht noch keinen guten Comic, diesen beiden Werke sind ambitioniert und absolut empfehlenswert und gehen über den üblichen uninspirierten Jubiläumskommerz hinaus, und sind bei uns im Laden verfügbar bzw. ggf. kurzfristig bestellbar.

 

Achtung, Meisterwerk: Drei Schatten

Lange war das Buch vergriffen – jetzt ist es endlich in einer sehr schönen Neuausgabe wieder verfügbar. Zeichnerkollege Titus meinte gestern hier bei uns im Laden zu diesem Buch, es ist eines der fünf besten Comics, die jemals gemacht wurden. Ich möchte da nicht widersprechen, aber auch ohne einen Rang zu vergeben, kann man hier gerne mal die Superlative auspacken. Drei Schatten lautet der Titel, und es ist eine fantastische Graphic Novel über Leben und Tod von Cyril Pedrosa, dem wir auch schon die Graphic Novel Portugal zu verdanken haben. Es ist ein Buch, dass den Leser nicht kalt läßt. Ein Buch das hält, was viele Graphic Novels versprechen, aber nur einige tatsächlich erreichen. Auf den ersten Blick etwas sperrig gezeichnet, entfalten sich bei genauerem Hinsehen tatsächlich virtuose Zeichnungen, bei denen wirklich jede Linie sitzt und jede Schaffur einem Sinn folgt. Kommt vorbei, schaut es Euch an, lest es!

Drei Schatten

Drei Schatten
von Cyril Predrosa
Reprodukt
Hardcover, 272 Seiten, s/w, 29.- EUR

Lise und Louis führen mit ihrem Sohn Joachim ein einfaches aber glückliches Leben an einem abgeschiedenen Ort inmitten von Hügeln und Wäldern. Als Joachim eines Abends nicht einschlafen kann, entdeckt er in der Ferne drei Schatten, die das Haus beobachten. Diese Schatten entpuppen sich als drei geheimnisvolle Reiter, die dem Haus schon bald bedrohlich nahe kommen. Louis versucht die mysteriösen Schatten zu vertreiben, doch sie scheinen sich in Luft aufzulösen, sobald er sich ihnen nähert. Allmählich wird den Eltern klar, dass die Reiter gekommen sind, um ihren Sohn zu holen. Schweren Herzens fällt der Vater den Entschluss, sich mit ihm auf die Flucht zu begeben – aber kann man seinem Schicksal entfliehen?  – Pressetext Reprodukt