
Gestern war ich in der Lucky-Luke-Ausstellung im Museum für Kommunikation. Eintritt faire 8 EUR, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist der Eintritt frei. Die Ausstellung läuft noch bis zum 28. März 2027.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Flix und Dietrich Wolf Fenner. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Auswahl der ausgestellten Zeichnungen ist wirklich gelungen. Kompliment an die beiden.
Der Herzstück der Ausstellung sind neben dem Modell einer Postkutsche – sehr ähnlich der Postkutsche aus dem gleichnamigen Band 15 – und ein paar anderen zeitgenössischen Westerngegenständen natürlich die 80 Originalzeichnungen. Meistens im Format A2 und in Schwarz-Weiß, geben sie das Artwork von Morris eindrucksvoll wieder. Es ist das erste Mal, dass diese Originale in dieser Anzahl in Deutschland zu sehen sind. Neben den cartoonigen Funny-Elementen werden hier auch sehr schöne Artworks von z. B. Gebäuden, Zügen oder Schiffen besonders gut sichtbar.

Natürlich darf auch eine Disclaimer-Tafel nicht fehlen (für alle, die ein bissi doof sind), aus der die moralische Überheblichkeit der Gen Z tropft. Man hätte einen schönen Blecheimer darunterstellen können. Egal. Stört nicht weiter, und ich kenne immer noch keinen Nachfahren eines amerikanischen Ureinwohners, der mit dem hierzulande überall positiv besetzten Indianer-Begriff ein Problem hat. Ganz im Gegenteil. Andererseits ist mir so ein Disclaimer lieber, als wenn Malte-Finn mit Photoshop die Comics umzeichnet. Weil er denkt, dass er es besser kann. So wie es Fantagraphics z. B. völlig schmerzfrei bei Carl Barks (und das bei lächerlich harmlosen Texten) getan hat. Und ja, natürlich spielen die Lucky Luke Comics mit Klischees, es sind aber in der Regel Rundumschläge und gehen nicht tendenziös in eine Richtung.
Zurück zu den Zeichnungen von Morris. Lasst mich noch etwas schwärmen. :) Einfach unfassbar schön. In der Originalgröße wirken die Zeichnungen erst so richtig. Da wünsche ich mir direkt ein schönes Artbook oder den einen oder anderen Klassiker in Schwarz-Weiß und in groß, z. B. in A3. Aber Egmont Ehapa, bitte nicht für 65 EUR. Schönen Gruß von Blueberry.
Ergänzend zu den Werken von Morris gibt es auch noch ein paar schicke Zeichnungen aus dem Band „Lucky Luke sattelt um“ von Mawil zu sehen. Ich hätte mir vorstellen können, dass in einer Ecke der Ausstellung auch noch ein paar mehr der Hommage-Bände, z. B. von Bonhomme oder Bruno, gewürdigt werden. Immerhin sind das die besten Lucky-Luke-Bände der letzten 40 Jahre. Oder habe ich die übersehen? Und ja, die Achdé-Bände sind auch gut. Und klar, der Fokus der Ausstellung liegt auf Morris.
Lucky Luke Hommage Bände (Auswahl):



Ein weiteres sehr schönes Detail der Ausstellung: Unter jeder Originalzeichnung liegt (oder hängt) der Comic, aus dem die Zeichnung stammt. Zum Nachschlagen und Nachlesen der deutschen Übersetzung.
An der Kasse gibt es übrigens auch noch ein paar schöne Lucky Luke Postkarten..
Nach der Ausstellung lohnt sich noch ein Rundgang durch das Museum. Da gibt es noch viel zu entdecken. Immer wieder schön: die dunkle Schatzkammer im Untergeschoss mit den dezent beleuchteten Exponaten (z. B. historische Briefmarken). Sehr atmosphärisch. Oder die tollen Morsegeräte oder Schaltzentralen. Steampunk – wenn es nicht real wäre. :) Und mit Kindern müsst ihr natürlich unbedingt die Rohrpost ausprobieren.
Und zum Abschluss „on a long way home“ dann noch eine Portion „Fire Fries“ bei Frittenwerk am U-Bahnhof Stadtmitte (Bohnen aus der Pfanne gab es nicht), und am Tisch eine schöne Diskussion über Lichtgeschwindigkeit und Schattenwurf. Lonesome-Cowboy-mäßig – so kann man mal einen Sonntagnachmittag verbringen.
Apropos Lucky Luke: am vergangenen Wochenende ist eine Sonderausgabe der „Welt am Sonntag“ erschienen. Prall gefüllt mit Zeichnungen, Comicstrips und Informationen zu Lucky Luke. Wir haben noch ein paar Ausgaben auf Lager. Zugreifen! Es gab vor Kurzem eine ähnliche Zeitung zum Thema Asterix, die wird auf eBay inzwischen für 20 bis 30 EUR gehandelt … Just sayin‘.

– Welt am Sonntag – Lucky Luke Ausgabe – Titelmotiv
Der nächste Lucky-Luke-Band erscheint übrigens am 3. November und trägt den Titel „Heiliger Lucky!“.

Für absolute Fans gibt es derzeit auch noch zwei empfehlenswerte Sekundärbände:
Das große Lucky-Luke-Lexikon
Alles über Lucky Luke.
336 Seiten, Hardcover 39 EUR

Lucky Luke: Die Eroberung des Westens
Ein Geschichtsbuch über den historischen Hintergrund der Lucky-Luke-Geschichten.
128 Seiten, Hardcover 35 EUR
oder in einer auf 999 Stück limitierten Edition im Karton mit 10 Kunstdrucken für 75 EUR. Ist ja bald Weihnachten.

Leider vergriffen ist der hervorragende und umfangreiche Sekundärband „Auf den Spuren von Lucky Luke“, der vor 10 Jahren zum 70. Jübiläum erschien. ISBN 978-3-7704-3938-6. Leider nur noch zu Mondpreisen auf dem antiquarischen Markt erhältlich. Ebenfalls vergriffen: das Fachmagazin REDDITION, Band 64: Dossier Morris & Lucky Luke.
Alle Cover-Abbildungen: © Lucky Comics 2026 / Story House Egmont / Ehapa Verlag
Auf den Upload von Fotos der Ausstellung habe ich aus urheberrechtlichen Gründen verzichtet.