Blau ist eine warme Farbe

Blau ist eine warme Farbe Comics Graphic NovelMan sollte eigentlich nicht glauben, dass Homosexualität im 21. Jahrhundert noch ein Problem darstellt. Zumindest in Westeuropa nicht. Ist es aber anscheinend doch, wie das Gezicke deutscher Politiker bezüglich der Gleichstellung von Schwulen und Lesben und die Demonstrationen gegen die Homoehe in Frankreich zeigen. Und nein – das Problem, beschränkt sich offensichtlich nicht auf ein paar verknöcherte Senioren, deren geistige Entwicklung im Mittelalter stehen geblieben ist. Wie dieses Album zeigt, haben auch viele Jugendliche das Gefühl, dass Homosexualität nicht nur ekelhaft, sondern irgendwie auch ansteckend ist.

Das jedenfalls erlebt die 15jährige Clementine, als ihre Freundinnen erfahren, dass sie in Emma verliebt ist. Ihre beste Freundin will nichts mehr mit ihr zu tun haben, ihre Eltern würden ihre Liebe zu Emma auch nicht akzeptieren, und so muss Clementine selbst damit klarkommen. Was nicht einfach ist. Auch sie ist durch Erziehung und Sozialisation auf Hetero gepolt und will ihre Gefühle für Emma nicht wahrhaben. Und als sie sie vor sich selber nicht mehr verleugnen kann, will sie sie nicht akzeptieren. So kämpft sie nicht nur gegen die Ablehnung durch ihre Umwelt, sondern auch gegen sich selbst, und das ist eine ziemliche Quälerei. Vor allem, weil Emma – die offen zu ihrer Homosexualität steht – noch gar nichts von ihrem Glück weiß, weil Clementine sich nicht traut, sich ihr zu offenbaren.

Autorin Julie Maroh, die eigene Erfahrungen in die Geschichte einfließen lassen hat und viel Ausdruck in Augen und Gesichter ihrer Figuren zaubern kann, hat für dieses Album beim Comicfestival in Angoulême den Prix du Public gewonnen. Die Verfilmung unter dem Titel Blue is the Warmest Color gewann 2013 auf den Filmfestspielen von Cannes den Preis des Kritikerverbandes und die Goldene Palme. Der Film, der im Dezember auch hier in die Kinos kommt, ist aufgrund von Eigenwilligkeiten des Regisseurs umstritten. Das Album ist ein Traum – eine der schönsten, bittersten, zartesten und berührendsten Liebesgeschichten seit Blankets.

Blau ist eine warme Farbe
von Julie Maroh
Splitter
Hardcover, 156 Seiten, 19.80 €
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Leseprobe bei Splitter

Der Film folgt am 19. Dezember in den Kinos auf der großen Leinwand.

http://www.blauisteinewarmefarbe.de/

 

Der Seewolf

Schon in dem Album An Bord der Morgenstern hat Riff Reb´s gezeigt, dass er ein Händchen für Piraten- und Seeräuber-Geschichten hat. In dieser Adaption von Jack Londons Roman Der Seewolf ist das nicht anders. In sehr feinen und detailgetreuen Zeichnungen, die er in wechselnden Farbtönen monochrom koloriert, schafft er es, die Schrecken von Stürmen, Kämpfen und Rivalitäten auf See wunderbar einzufangen. Da toben die Fluten, da fliegen die Fäuste, und wenn man Pech hat, ist auch noch ein Messer mit im Spiel.

Comic Der Seewolf

Erzählt wird die Geschichte des jungen Humphrey Van Weyden, seines Zeichens Literaturkritiker und Intellektueller, der während einer kurzen Schiffspassage in der Bucht von San Francisco verunglückt, weil die Fähre in dichtem Nebel von einem anderen Schiff gerammt wird. Humphrey geht über Bord und wird von Wolf Larsen gerettet – dem Kapitän eines Robbenschoners, der Kurs auf Japan hält. Für Humphreys Bitte, ihn vor der Weiterfahrt an der amerikanischen Küste abzusetzen, hat Larsen nur Hohn und Spott. Dem Kapitän fehlt nämlich noch ein Küchenjunge, und so muss Humphrey vorerst Kartoffeln schälen – und sich gegenüber der Mannschaft behaupten. Doch während der langen Fahrt muss er sich nicht nur gegen deren raue Sitten wehren – es kommen weit schlimmere Gefahren auf ihn zu.

Es ist lange her, dass ich den Roman von London gelesen habe – ich kann also nicht sagen, ob in dieser Adaption wesentliche Inhalte fehlen, oder nicht. Als Comic funktioniert die Geschichte aber tadellos, denn die starken Zeichnungen von Riff Raf´s bringen viel düstere Atmosphäre rüber. Die ideale Lektüre für alle Freunde von spannenden Abenteuer- und Seefahrt-Geschichten.

Der Seewolf
von Riff Reb´s, Jack London
Splitter
Hardcover, 126 Seiten, 24.80 EUR

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Egon Schiele – Ein exzessives Leben

Egon SchieleEgon Schiele (1890 – 1918) gehörte zu den wichtigsten Malern der Wiener Moderne. Sein Mentor Gustav Klimt setzte sich immer wieder für den jungen Nachwuchskünstler ein, der für den konservativen Wiener Geschmack etwas zu freizügige Bilder malte. Sigmund Freud arbeitete zwar zur gleichen Zeit in der Kulturmetropole, aber die von ihm entwickelte Psychoanalyse steckte noch in den Kinderschuhen, und die Thematisierung von Sexualität galt weitgehend als Tabu. Gerade Aktbilder gehörten aber zu Schieles Lieblingsmotiven, und die Freizügigkeit, mit der er seine Modelle posieren ließ, ärgerte die Moralhüter der Akademie.

Um zu provozieren, wählte Schiele immer jüngere Modelle. Das brachte ihm nicht nur den Zorn von deren Vätern, sondern auch ein Strafverfahren wegen sexuellen Übergriffen an Minderjährigen ein. Es wurde wieder eingestellt. Schiele vergnügte sich zwar gerne mit Frauen, aber nicht mit Mädchen. Doch auch seine Geliebten sahen seinen lockeren Lebenswandel nicht gerne und verlangten, sich für eine von ihnen zu entscheiden. Im Hintergrund braute sich derweil der Erste Weltkrieg zusammen. Schiele wurde eingezogen.

Coste bringt die wechselhaften Jahre dieses kurzen Lebens in Zeichnungen zu Papier, die auf den ersten Blick unscheinbar und wenig prägnant wirken. Doch je mehr man sich in das Album einliest, umso mehr faszinieren Strich, Farbe und Perspektiven. Es sind großartige Seiten, die Coste abliefert. Seine Bilder passen sich dem Thema kongenial an und machen Lust, sich intensiv mit Schieles Arbeit zu beschäftigen. Eine der bisher besten Neuerscheinungen des Jahres.

Egon Schiele – Ein exzessives Leben
von Xavier Coste
Knesebeck
Hardcover, 72 Seiten, farbig, 19.95 Euro

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Geschichten aus dem Viertel

Mallorca war nicht immer eine Hochburg für europäische Pauschalurlauber. In den 1980er Jahren war es nichts als eine kleine Insel, auf der die Menschen sich recht und schlecht durchschlugen, ohne viele Möglichkeiten zu haben, aus ihrem Leben etwas zu machen. Im Barrio Chino, dem Chinesenviertel der Hauptstadt, trafen sich die Jugendlichen – die Möglichkeiten ringsum von Wasser begrenzt. Einer von ihnen war Gabi Beltrán. Seine Erinnerungen sind in den Geschichten dieses Albums versammelt.

Geschichten aus dem ViertelGabi ist mitten in der Pubertät. Irgendwie, schreibt er, war mir bewusst, dass manche Türen als Eingang dienten, nicht aber als Ausgang. Er hängt mit Freunden ab, kifft, frönt dem Wodka und lässt sich auch mal von Älteren zum Schmierestehen bei einem kleinen Überfall oder zu einer Spritzfahrt in einem geklauten Cabrio überreden. Was nicht immer gut ausgeht. Sein Vater ist Alkoholiker, manche Mütter seiner Freunde gehen auf den Strich – weshalb er seinen ersten Bordellbesuch so planen muss, dass er von denen nicht erwischt wird.

Es sind Alltagsgeschichten von Mitgliedern einer Jugendclique, die ohne große Hoffnung auf ein besseres Leben ihren Träumen nachhängen, typische Coming of Age-Geschichten, die Bartolomé Seguí in feine, ausdrucksstarke Bilder packt, in denen vor allem die Gesichter und die Stadtansichten faszinieren – von der Atmosphäre her vielleicht vergleichbar mit Larcenets Comic Der alltägliche Kampf. Ein starkes Album – abwechslungsreich, unterhaltsam, spannend und voller Leben – und mit dem Premi Ciutat de Palma de Còmic ausgezeichnet.

Geschichten aus dem Viertel
von Bartolomé Seguí, Gabi Beltrán:
Avant
Softcover, 152 Seiten, 19.95 EUR

Geschichten aus dem Viertel – Leseprobe [PDF/2MB]

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Vakuum

Vakuum

Also dieses Album hat etwas tiefgreifend Verstörendes und nicht minder Verwirrendes. Lukas Jüliger, Student (Illustration) an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, legt ein Comicalbum vor, das superspannend erzählt und einfühlsam gezeichnet ist, den Leser allerdings mit einer Menge Fragezeichen zurücklässt.

Es geht um drei Jugendliche, die während der Pubertät erste Erfahrungen mit Drogen und – vor allem – mit Beziehungen und Sexualität machen, und davon mehr als verwirrt sind. Die typischen Unsicherheiten dieses Alters im Umgang mit dem anderen Geschlecht, dem Rest der Welt und vor allem mit sich selber bringt Jüliger wunderbar rüber: Ein schüchterner Junge, ein geheimnisvolles Mädchen, ein abgedrehter Freund, eine Vergewaltigung und ein Selbstmord sind die Zutaten, die er zu einer Story anrührt, die einen schon nach wenigen Seiten nicht mehr loslässt.

Ein Thriller mit surrealen Elementen (deren Deutung Jüliger allerdings dem Leser überlässt). Eine Geschichte über Freundschaft und Verwirrung. Eine flockenzarte Lovestory. Ein Album im Stil der autobiografischen Arbeiten von Sascha Hommer und Chester Brown. Eine Coming-of-Age-Story, die ziemlich reinhaut, nachdem man das Album zugeklappt hat. Und die lange nachwirkt.

Ein echter Knaller, irgendwie. Auch, wenn man manchmal genau hinsehen muss, um zu erkennen, ob eine Figur männlich oder weiblich sein soll.

Leseprobe bei Reprodukt

Vakuum
von Lukas Jüliger
Reprodukt
Softcover, 128 Seiten, 20,- Euro

Der Garten

Der Garten

In Der Garten erzählt die gebürtige Polin Bara die Geschichte eines alten Mannes, der während des Zweiten Weltkriegs etwas getan hat, für das er sich heute schämt. In den 1980er Jahren lebt er mit seiner Familie irgendwo auf dem Land in Polen. Die Zeiten sind schlecht, die Lebensmittel rar, und als der alte Mann den Hahn des Nachbarn ohne dessen Erlaubnis in die Pfanne haut brechen Konflikte auf, die der Alte lieber unter dem Teppich gehalten hätte. Vor allem, als er sich während einer Reise zu einem Garten an die Ereignisse während des Krieges erinnert.

Das Album entstand als Diplomarbeit, mit der Bara ihr Kommunikationsdesign-Studium an der Folkwang-Universität in Essen abschloss. Es ist naturgemäß nicht perfekt. Aber sie zaubert Atmosphären auf die Seiten und Stimmungen in Gesichter und Landschaften, die Freunden ausdrucksstarker Grafik sicher gefallen werden. In der Kolorierung beschränkt sie sich meist auf Brauntöne, die Vergangenheit wird schwarzweiß skizziert und beides gekonnt ineinander verwoben. Die Stärke ihrer Bildsprache zeigt sich unter anderem daran, dass Bara seitenlang ohne Text auskommt und einfach nur die Bilder erzählen lässt. Ein klasse gezeichnetes Album, das Lust auf weitere Arbeiten von ihr macht.

Beispielseite 1
Beispielseite 2
Beispielseite 3
 

Der Garten
Agata Bara
Salleck-Publications
Hardcover, 56 Seiten, 12.90 Euro

Atar Gull

Atar GullDies ist eine Geschichte über Sklaverei und Rache. Fabien Nury hat den gleichnamigen Roman von Eugène Sue als Comic adaptiert, Brüno hat die Geschichte in einem Stil zu Papier gebracht, der entfernt an den Stil von Berthet erinnert. Alles beginnt  im westafrikanischen Benin, wo sich 1830 zwei Stämme bekriegen. Der Geschäftsmann Benoit, Kapitän eines Sklavenschiffs, macht bei dem Sklavenhändler van Harp Station, um eine neue Ladung aufzunehmen. Die verfeindeten Stämme bringen ihm die Ware. Alle, erzählt van Harp ganz befriedigt, alle bringen uns hervorragende Exemplare! Sie haben endlich aufgehört, ihre Gefangenen zu verspeisen und verkaufen sie stattdessen an uns. 23 Männer, 19 Frauen und 11 Kinder stehen zur Verschiffung bereit.

Allerdings ist da noch ein ganz besonderer Schwarzer, der auf den Namen Atar Gull hört. Er ist der Sohn eines Häuptlings und von sehr kräftiger Statur. Für ihn, meint van Harp, müsse Benoit extra zahlen. Haben Sie seine Muskeln gesehen? In Jamaika können Sie ihn als “Mandingo” verkaufen. So ein Zuchthengst wird Ihnen mindestens 500 Pfund Sterling einbringen. Benoit lässt sich darauf ein – nicht wissend, dass dieser Sklave nicht nur kräftig, sondern auch clever ist. Und auf Rache sinnt. Auf eine sehr gründliche Rache.

Die Geschichte wird von Brüno spannend erzählt. Und obwohl ihr Schwerpunkt auf der Abenteuer- und Piratenebene liegt, kann man sie auch als exotische Erzählung lesen. Die Grafik wirkt auf den ersten Blick etwas simpel gestrickt, ist aber ausdrucksstark und sehenswert. Laurence Croix hat sie in warmen Braun- und Ockertönen koloriert.

Atar Gull – Das Schicksal eines vorbildlichen Sklaven
Brüno, Fabien Nury
Avant
Hardcover, 86 Seiten, gebunden, 19.95 EUR

 

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Ein Haus von Frank Lloyd Wright

Ein Haus von Frank Lloyd WrightEine kleine rosa Tulpe als Geburtsmal auf der Haut – das machte Rebecca (oder hieß sie Rosie? Rhonda? Rita? Daisy?? Roberta???) unverwechselbar. Lambert ist sich sicher – nicht des Namens, dazu ist es zu lange her – aber das Mal, das hatte sie.

Leider streitet die Dame, die er da nach Jahrzehnten zufällig in einer verschneiten Straße trifft, ab, so zu heißen, oder ihn zu kennen – und er kann sie ja schlecht darum bitten, das zu beweisen, denn die Tulpe befand sich auf ihrer linken Gesäßhälfte. Er ist längst ein alter Mann und lebt in einem Seniorenheim, und die Dame seines Herzens, seine ehemals große Jugendliebe aus dem Sommercamp, ist im Laufe der Jahre auch nicht jünger geworden. Doch Lambert ist sich sicher, und so bleibt er dran, und sie lädt ihn immerhin zu einem selbstgemachten Eintopf ein. Das ist doch ein Anfang.

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Chronik einer verschwundenen Stadt

Über Massentourismus und orientalische Lässigkeit.

Chronik einer verschwundenen Stadt

Massentourismus ist eine Pest. Er zerstört soziale und kulturelle Strukturen und stiehlt den Bewohnern der bereisten Gegenden oft auch noch die materielle Lebensgrundlage. Immer wieder werden Menschen aus ihrer gewohnten Umgebung zwangsumgesiedelt, um neben den Sehenswürdigkeiten Platz für noch größere Parkplätze, Souvenirshops und Fastfood-Buden zu bekommen.

Das ist in Ägypten nicht anders. Auch dort schleppen sich Scharen von Touristen in brüllender Hitze durch das Tal der Könige, um die Pyramiden fotografieren zu können. Viel Zeit lassen ihnen die Fremdenführer nicht, denn der Terminplan ist eng, und es stehen weitere Sehenswürdigkeiten auf dem Programm. Die Saïdis – Bewohner des kleinen Wüstenstädchens Qurna unweit von Luxor – sehen diesem Treiben amüsiert zu und bieten den vorbeiziehenden Touristen selbst gebastelte Tücher, Schmuck und Keramik an.

Golo (B. Traven) und Dibou haben viele Jahre in Qurna gewohnt. Sie erlebten hautnah mit, wie die Bewohner den Anforderungen des Massentourismus Stück für Stück weichen mussten. Dazu kam der Stress mit den Archäologen, denen die Dorfbewohner ein Dorn im Auge waren. Schließlich wurden die Saïdis in eine auf dem Reißbrett entstandene Wüstenstadt in 10 km Entfernung umgesiedelt. Danach wurde Qurna mit Baggern platt gemacht.

Golo und Dibou beschreiben das Leben in Qurna, wo im Laufe der Jahre viele ihrer Nachbarn zu Freunden wurden. Menschen, mit denen sie gearbeitet und gefeiert haben. Sie erzählen von der Kultur der Saïdis, zeigen ihren Alltag und beschreiben die Faszination, die diese Ecke der Welt auf sie selber ausgeübt hat. Trotz bitterem Ende ist es ein Album voller Lebensfreude geworden, das auf jeder Seite eine typisch orientalische Entspanntheit transportiert: Möge dein Tag süß wie Honig sein, Partner. Der Klempner ist krank. Inscha´Allah, die Arbeit geht in ein paar Tagen weiter. Gott wird ihn gesund machen.

Lesen und genießen.

 

Chronik einer verschwundenen Stadt
von Golo & Dibou
Avant
Hardcover, 208 Seiten, in Farbe, 24.95 EUR

 
Dieser Lesetipp wurde erstellt von Comickunst–dem Weblog mit aktuellen Rezensionen anspruchsvoller Graphic Novels für Erwachsene: http://comickunst.wordpress.com/.

Mach´s gut, Chunky Rice

Mach's gut, Chunky Rice

Chunky Rice ist eine Schildkröte. Er ist in die Maus Dandele verliebt, und Dandele liebt ihn auch. Soweit wäre also alles im grünen Bereich, wenn Chunky nicht unbedingt zu den Kahootney-Inseln reisen müsste –  Rückkehr ungewiss. Dadurch wird ihre letzte gemeinsame Nacht, die sie ganz romantisch in einem Zelt am Meer verbringen, traurig und melancholisch. Doch ein Mann muss gehen, wohin er eben gehen muss, und als Chunky sich schließlich auf den Weg macht und von dem Schiff auf die ihn von seiner Liebsten trennenden Wellen schaut, wird ihm ganz einsam ums Herz.

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Der Boxer

BoxerIn den Konzentrationslagern der Nazis lief einiges, das weniger bekannt wurde. So wurden viele Sportler – darunter auch Boxer – in den KZs interniert. Die Boxer mussten zum Gaudi der Wachmannschaften und der SS Kämpfe austragen, die im Grunde nur sadistische Gemetzel waren. Die Verlierer überlebten selten. Einer dieser Boxer hieß Hertzko Haft. Er war Jude.

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Der Spieler

Der SpielerSucht ist listig. Gegen sie zu argumentieren ist sinnlos, weil sie immer die besseren Argumente hat. Wie süß klingt der Satz Nur eine Zigarette nach dem Essen, wenn man sich gerade das Rauchen abgewöhnen will. Wer dieser Logik nachgibt, stellt schnell fest, dass es plötzlich sehr viele Situationen gibt, die man irgendwie mit nach dem Essen umschreiben kann. Und dann gibt es noch die Suchtverlagerung. Wer nicht auch sein Suchtverhalten, sondern nur den Suchtstoff ändert, befriedigt sein Bedürfnis nach oraler Zufuhr später nicht mehr mit Zigaretten, sondern mit dem Kühlschrankinhalt.

Der russische Autor Fjodor Dostojewski kann ein Lied davon singen. Er war hochgradig spielsüchtig. Sein Roman Der Spieler beschreibt diese Leidenschaft ausführlich. Und auch in diesem Roman spielt Suchtverlagerung eine Rolle: Vor der Spielsucht steht die Liebe zu einer Frau. Die schöne (und berechnende) Polina behandelt den sie anhimmelnden Alexej wie ihren Schoßhund. Alexej nimmt alle Demütigungen in Kauf, um ihr nahe sein zu können. Das Schema wiederholt sich, als er anfängt zu spielen: Auch da nimmt er jede Demütigung in Kauf, um am Roulettetisch sitzen zu können.

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In der Strafkolonie

In der StrafkolonieKafkas Geschichten wirken meist surreal. Das gilt auch für seine Erzählung In der Strafkolonie. Aber in Zeiten, in denen nicht nur Diktatoren von Bananenrepubliken, sondern auch Präsidenten der USA Foltermethoden wie Waterboarding für legitim halten, bekommt die Geschichte einen anderen Charakter. In Kafkas Strafkolonie wird einem Reisenden ein Folterinstrument vorgeführt, dessen Technik der amtierende Offizier zu loben nicht müde wird. Man weiß nicht, was man widerlicher finden soll: Die perfide Technik des Instruments, das einen Menschen in zwölf Stunden systematisch zu Tode foltert, oder die Begeisterung, mit der der Offizier es anhimmelt.

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JukeBox

JukeboxFand John Lennon Bob Dylan wirklich so Scheiße?

Die Zeichnungen von Dupuy und Berbérian kommen mir immer so typisch französisch vor, obwohl Berbérian in Bagdad geboren wurde, im Nahen Osten aufwuchs und erst in den siebziger Jahren nach Frankreich ging. Ihre Serie Monsieur Jean und ihr ebenfalls gemeinsam gezeichneter Comic Beinahe reich strahlen eine Noblesse aus, wie sie nur Franzosen entwickeln. JukeBox hat Berbérian alleine gemacht – nicht ganz so stylisch, aber auch stark bebildert. Die Augen seiner Figuren sprechen eine deutliche Sprache.
 

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Omni-Visibilis

Omni-VisibilisEin Tag, der damit anfängt, dass man sich auf der Toilette aus Versehen auf die Schuhe pinkelt, kann nicht gut enden. Das weiß auch Hervé, ein junger Büroangestellter, der gern die Blonde am Nebentisch anbaggern würde, aber nicht weiß, wie. Und auch die schöne Chloé, mit der er verbandelt ist, hat heute keine Zeit, weil sie zur Theaterprobe muss. No sex today.

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