Soeben erreichte uns eine Pressemitteilung aus dem Hause Carlsen, in der einige außergewöhnliche Projekte via Crowdfunding angekündigt werden, die wir Euch nicht vorenthalten möchten:
Soeben erreichte uns eine Pressemitteilung aus dem Hause Carlsen, in der einige außergewöhnliche Projekte via Crowdfunding angekündigt werden, die wir Euch nicht vorenthalten möchten:
Corto Maltese – der berühmte Kapitän ohne Schiff hat bei Schreiber & Leser einen neuen Hafen gefunden. Jetzt sind die ersten Bücher in einer sehr schön gestalteten Edition erschienen. Die Südseeballade – der Klassiker liegt nun in zwei Ausgaben vor.
Nachdem die kolorierte Ausgabe angekündigt wurde, hat sich S&L (ev. auch wg. des grossen Echos aus der Comiccommunity) dazu entschlossen, daneben in einer kleinen Auflage die gleiche Geschichte in ihren ursprünglichen Schwarz/Weiss-Zeichnungen zu publizieren. Der Zeitpunkt passt – am besten genießt man diesen Band in einer lauen Sommernacht, ev. mit einem kleinen Gläschen Rum aus Übersee. Willkommen im Club der toten Comicdichter – Hugo Pratt, der italienische Schöpfer der Serie starb gestern vor 20 Jahren.
«Wenn ich entspannen will, lese ich was von Engels. Wenn ich was Richtiges lesen will, lese ich Corto Maltese.» — Umberto Eco
Die Serie wird zügig fortgesetzt – für dieses Jahr sind noch Band 2 "Im Zeichen des Steinbocks" und 3 "Und immer ein Stück weiter" angekündigt, jeweils in einer kolorierten und einer s/w Ausgabe.
Ein weiterer Reprint amerikanischer Superheldenklassiker ist gerade bei uns eingeschlagen (vermutlich Dank der gerade anlaufenden, weiteren F4-Kino-Adaption, ob diese besser ist als die letzten Filme, die mal eben den Silver Surfer als Figur ruiniert haben … wir werden sehen). Dieser Reprint hat es jedenfalls mal wieder insich.
Stan Lee – Jack Kirby
Marvel Klassiker: Fantastic Four 1
Panini
Die Wiege der F4 – der Band versammelt Geschichten aus den Jahren 1961 bis 1967. Den dicken Band haben wir als Paperback (24.99 EUR) und als eine auf 222 Exemplare limitierte Hardcoverversion (39.00 EUR, Coverabbildung) auf Lager. Letztere Asugabe dürfte wohl sehr schnell vergriffen sein.
Die Splitter-Novitäten für August '15 sind da. Hier ein Überblick.
Die alten Knacker Band 1: Die übrig bleiben
Endlich! Auf diesen Band freue ich mich seit der Ankündigung. Lupanos (einer meiner derzeitigen Lieblingsautoren) neue Serie. Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis in Angoulême 2015.

"Eine Sozialkomödie mit einer ordentlichen Portion Klassenkampf! Und ein Aufeinandertreffen verschiedener Generationen, das fulminant als Road-Movie in der Toscana beginnt, in der Antoine zu zeigen versucht, dass man niemals zu alt ist, um ein Verbrechen aus Leidenschaft zu begehen." – Pressetext
Little Nemo – Rückkehr ins Schlummerland #1
Ebenfalls preisgekrönt: Ausgezeichnet mit dem Eisner-Award 2015 als "Beste abgeschlossene Serie", und weiterhin nominiert für den Eisner Award 2015 in den Kategorien "Beste Veröffentlichung für junge Leser (8-12 Jahre)" und "Beste Kolorierung". Von Eric Shanower und Gabriel Rodriguez.
Weiß wie der Mond
Nach bildgewaltigen Comicreportagen über Reisen zum Kerguelen Archipel und nach Tschernobyl treibt es Emmanuel Lepage diesmal in die Antarktis.
Oink – Graphic Novel
Das sieht mal düster und schräg aus, muß ich erstmal lesen.
Walküre – Splitter Double
Die Schöne und das Biest
Ihr kennt es eventuell vom Gratis-Comic-Tag – nun ist das Album draussen.


Siehe auch meine kleine Rezension zu Band 1 dieser hervorragenden Adaption des Klassikers von Arthur Conan Doyle.
Zur Zeit stellen wir bei uns im Laden ein Modell des Raum- und Zeitschiffes XB982 aus. Mit diesem Schiff reisen die beiden Protagonisten aus der Comicserie Valerian & Veronique seit 1969 durch die Dimensionen. Gebaut wurde das Modell als nichtkommerzielle Fanart von Brickartist Dirk Delorme aus 16.000 Lego-Bauteilen, in dem Projekt stecken mehrere Monate Arbeit.
Die neue Splittervorschau für die Monate November '15 bis Mai '16 ist erschienen. Hier kommen ein paar Tipps für Comics, die etwas aus der Reihe schlagen:
Mein persönliches Vorfreude-Highlight im neuen Splitter-Programm ist der Band Ein Ozean der Liebe (Februar '16). Wilfried Lupano ist m.E. einer der besten gegenwärtigen Comicautoren. Sein Repertoire reicht von skurriler bis (meta-) politischer Fantasy (Azimut, Alim der Gerber), über schwarzhumorige Western (Der Mann, der keine Feuerwaffen mochte) bis zu grotesken historischen Szenarios (Der Affe von Hartlepool). Dieses Jahr können wir uns noch über den Serienstart von Die alten Knacker freuen (ausgezeichnet mit dem Publikumspreis in Angoulême 2015).
Ein Ozean der Liebe verspricht unkonventionelles Artwork von Grégory Panaccione und eine melancholisch-humorvolle Geschichte. Da der Comicroman komplett ohne Text auskommt, darf man auf das Teamwork von Autor und Zeichner besonders gespannt sein, ich erwarte grafisches Erzählen auf hohem Niveau.
Neben diversen frankobelgischen Genre-Titeln und Graphic Novels veröffentlicht Splitter nun auch Jeff Lemires Descender (Dezember '15) – eine SciFi-Geschichte über künstliche Intelligenz.
Lemire gehört ebenso wie Lupano zu den interessanteren und vielseitigen Gegenwartsautoren. Lemire schreibt und zeichnet anspruchsvolle Autorencomics und Graphic Novels (Essex County, The Underwater Welder) ebenso wie "State of the Art"-Genrematerial (Sweet Tooth, Animal Man). Bei Descender ist Lemire als Autor tätig, gezeichnet wird die Reihe von Dustin Nguyen.
Weiterhin bin ich sehr gespannt auf das Prequel zu Heiligtum: Genesis (November '15).
Wieder sind Xavier Dorison und Christophe Bec am Werk. Mit dem ersten Zyklus haben die beiden Künstler einen Meilenstein des Horrorcomics vorgelegt. Auch wenn die Künstler das Genre eigentlich nicht neu erfunden haben – selten wurde eine düstere und ausweglose Stimmung so kongenial eingefangen, und eine Geschichte mit einem fatalen und im wahrsten Sinne des Wortes endgültigen Schluß erzählt (ich möchte ja nicht spoilern, aber Sequels sind da m.M. nach ausgeschlossen ;) ). Mal sehen, was das Prequel so kann.
Insgesamt steigert Splitter den Output übrigens nochmals – ab November erscheinen 14 Titel monatlich. Den 108 Seiten messenden Katalog könnt Ihr Euch hier downloaden:
http://www.splitter-verlag.eu/kataloge
In Die Diebe von Karthago werden die beiden halbschlauen Söldner Horodamus und Berkan Zeugen eines Überfalls der Numider auf eine Karawane, und retten die Diebin Tara aus dem Geschehen. Diese wird anfangs als Beute betrachtet, übernimmt aber nachdem sie den beiden Söldnern ihren Plan offenbart die Anführerrolle. Sie möchte nicht weniger als die Schatzkammer Karthagos ausheben. Und eigentlich klingt ihr Plan auch ganz einfach und plausibel, wenn da nicht zeitgleich die Römer die Stadt belagern würden. Und so kommt es wie es kommen muss, die Ereignisse überschlagen sich und die Situation eskaliert…
Irgendwo habe ich über das Buch gelesen, es sei ein "Asterix für Erwachsene". Das trifft es ganz gut und dazu paßt auch, das einer der Protagonisten ein Gallier ist, und der Band noch einige andere Anspielungen bereit hält. Wenn auch der Humor weniger klamaukig und die Kämpfe der Protagonisten deutlich endgültigeren Charakter haben. Für Kinder ist das jedenfalls nichts.
Vor dem historischen Hintergrund des Dritten Punischen Krieges schildern die Künstler eine Geschichte, die die Genrezugehörigkeit zwischen Abenteuer- und History-Comic und Sittenbild verwischt, und dabei nicht nur sehr unterhaltsam und bisweilen auch schwarzhumorig, sondern auch in opulenten Bildern in Szene gesetzt wird. Der Band ist ein visueller Leckerbissen und bietet perfekte orientalische Untergangsstimmung. Zaubertrank, Sympathieträger und heroische Klischees gibt es hier allerdings keine. Ein Menschenleben ist da nicht viel Wert, die Römer sind brutal und die Numider und Karthager nicht viel besser. Karthago geht unter, ganz so wie wir es aus dem Geschichtsunterricht wissen. Aber in tollen Bildern. Lesetipp!
Die Künstler sind keine Unbekannten: Texter Apollo war auch schon bei Donjon tätig und den Zeichner Harvé Tanquerelle kennen wir aus Die falschen Gesichter (sieh dazu auch meine Rezension hier im Blog) und Professor Bell. Herausstellen möchte ich aber auch die Koloristin Isabelle Merlet, deren Name es leider nicht auf das Cover geschafft hat, obwohl die Farben des Bandes maßgeblich zur Opulenz beitragen. Merlet hat zB. auch bei der Serie "Big Foot" (Futuropolis, noch nicht auf Deutsch erschienen) mitgewirkt.
Die Diebe von Karthago
Hardcover, 112 Seiten, farbig, 24.95EUR
Außerdem sind kürzlich folgende Neuerscheinungen aus dem Hause Avant bei uns eingetroffen:


Hexe Total 2 – Megg, Mogg und Eule laden ein zu einer weiteren Tour an die Grenze des guten Geschmacks, selbstverständlich um diese auch zielsicher zu überschreiten. Lustig bis verstörend, und stark polarisierend – schräges Material von Simon Hanselmann. Buchvorstellung bei Deutschlandfunk.de.
Softcover, 176 Seiten, farbig, 24.95EUR
Manos Kelly Gesamtausgabe – Alle gesammelten Geschichten des spanischen Westernklassikers von Antonio Hermández Palacios. Old School – toll aufgemachter Sammelband!
Hardcover, 216 Seiten, farbig, 39.95EUR
Valentina – Ein Sammelband mit den ersten Geschichten über die gleichnamige Fotografin von Guido Crepax. Besprechung des Bandes auf FAZ.net.
Hardcover, 216 Seiten, s/w, 34.95EUR
Die Vorstellung der Juni-Novitäten vom Splitter-Verlag beginne ich heute mal mit meiner letzten Lazy-Sonntags-Lektüre: Magda Ikklepotts, dem Start einer schicken und höchst erfrischenden Fantasy/Mystery Serie. Auf den Namen dieser modernen Hexe muß man erstmal kommen. Spritzige Dialoge, gutes Charakerdesign, frecher Vogel, niedliche aber tödliche Alraune – das sind die Zutaten, und was will man mehr. Magda ist smart, schlagfertig bis sarkastisch und schlägt sich mit kleinen Tricks durchs Leben, bis sie eines Tages von einer dunklen Vergangeheit eingeholt wird. Manchmal ist dies unheimlich, aber auch sehr witzg. Von Zeichnerin Krystel stammt übrigens auch Ash. Zeitgemäß gezeichnet, mit einer Prise Manga / Anime Style. So könnte es klappen die Mauer zwischen FB-Alben und Manga einzureissen, oder zumindest daran zu wackeln. Potential hat der Band auf jeden Fall auch für ein jüngeres Publikum (sagen wir mal ab 14 Jahren). Aber keine Sorge FB-Alben-Fans, das ist schon ein richtiges Album, das man gerne nach dem Lesen noch ein paarmal durchblättert). Für mich ist dies das vorläufige Splitter-Highlight des Monats.
Herkules, Band 1 – Nemeas Blut
Verlegung des griechischen Mythos aus der Antike in ein Future-Science-Fiction-Setting. Könnte Spaß machen oder auch schief gehen – ein Urteil möchte ich mir noch nicht erlauben.

Querschläger
Nach dem wunderbaren Blue Note ein weiterer Comic, der die Zeit der Prohibition in den USA lebendig werden lässt. Diesmal geht es in die Richtung Crime Noir. Am Werk sind hier der Hollywood Regisseur Walter Hill und der Comicszenarist Matz (Der Killer, Egmont Comic Collection, gezeichnet wird von Jef). Das macht neugierig, der Band wird mein persönlicher nächster Comic.

Melvile
Der Romanautor Samuel Beauclair zieht sich auf der Suche nach Inspiration nach Melvile ind das Haus seines Vaters zurück. Ein Buch über die Zerissenheit eines Künstlers. Selbsfindungsdrama mit tollen Zeichnungen!


Little Tulip
Neues von Comicveteran Boucq (Bouncer, Mondgesicht). In Little Tulip geht es um einen Tätowierkünstler und Phantomzeichner der NY-Police auf der Spur eines Serienkillers, und seine Vergangenheit in der Sowjetunion. Nominiert für den Preis "Bestes Comicalbum 2015" auf dem Comicfestival in Angoulême.






Legende der Drachenritter, Band 1000 – Das Reich des Ostens

Letzerer Band ist das tausendste (!) Album des 'neuen' Splitter-Verlages. Wir gratulieren zu diesem Jubiläum!
Aktuelle Comicverfilmungen haben mitunter einen schönen Nebeneffekt: Klassiker der Comicgeschichte werden auch hierzulande neu aufgelegt. In Popart-ähnlichen Farbgebungen, Outlines und Schraffuren (aus der Prä-Computer-Ära stammend ohne Farbverläufe und 16 Mio Farben auskommend) präsentieren sich die alten Marvelcomics Daredevil: Auferstehung von Frank Miller (Sind City, 300, Dark Knight) und David Mazzucchelli (Paul Austers Stadt aus Glas, Asterios Polyp) und der Sammelband Marvel Klassiker: Avengers 1.

Daredevil rückte kürzlich durch die Netflix-TV-Serie wieder in den Vordergrund. Früher zeichneten sich die Daredevil-Comics vor allem durch ein langsames, dekomprimiertes Storytellung aus, und Daredevil stand als Serie auch eher für sich, während sich andere Mavelhelden auch gerne mal in Heften (später in den Marvel Events) zusammen getan haben (oder als Gegener agieren) – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Auch wenn die Netflix-TV-Serie punktuell unnötig gewaltätig inszeniert wurde, ist sie hinsichtlich Komplexität, Charakterentwicklung und Choreografie absolut sehenswert (ganz im Gegenteil zu der schwachen Spielfilm-Umsetzung von 2003), die erste Staffel nimmt den Spirit der alten Daredevil-Comics ganz gut auf. Avengers 2 läuft z.Z. im Kino. Da ich den Film noch nicht gesehen habe, hebe ich mir einen Kommentar für später auf.
Zurück zu den Comics – der Band von Miller und Mazzucchelli enthält die Storyline, die in den Originalheften Daredevil 226-232 1986 entstand, und als Klassiker der Reihe gilt. Der Avengers Band dagegen ist eine Art "Best of Avengers"-Buch. Er enthält einen Sammlung von Geschichten der Comicgrößen der 60er und 70er Jahre. Auch wenn sich dies hier wie Namedropping anhört: mit dabei sind Comics von Stan Lee, Roy Thomas, Jack Kirby und John Buscema (Original-Storys: Avengers 1, 4, 16, 57-58, 66-68, 100)
Daredevil: Auferstehung
von Miller und Mazzucchelli
Panini Comics
228 Seiten, 19.99 EUR
Marvel Klassiker: Avengers
von Thomas, Kirby, Buscema, Buscema, Windsor-Smith
Panini Comics
212 Seiten, 19.99 EUR
Ich freue mich, dass wir pünktlich zum heuten Gratis-Comic-Event noch ein paar wichtige Neuerscheinungen reinbekommen haben. Da wäre zB. – eine Auge weint, das andere lacht – der letzte Donjon. Dann gibt es Ralph Azham 5, den zweiten Teil der wunderschönen Gesamtausgabe von Die Katze des Rabbiners, die Rudi Gesamtausgabe von Peter Puck, den neuen Sacco Sarajevo, den zweiten Band von Tardis Stalag IIB und Die sechste Waffe Band 2. Zu Azham und Sechste Waffe gibt es auch Gratis-Comics.
Die beiden neuen Kindercomics Kleiner Strubbel: Oma Bonbon und Pelzkugel und Ente sind ebenfalls eingetroffen, und weil letzteres Buch sooo schön aussieht, ziert seine Coverabbildung diesen Blogpost :)
Zum Gratis Comic Tag gibt es bei uns auch wieder ein paar weitere kostenlose Hefte, zB. Pure Fruit, Le Monde Diplomatique und ein Kids Club Heft von Top Shelf.
Für uns geht es jetzt weiter mit den Vorbereitungen zum GCT – wir sehen uns nachher!
Gratis Comic Tag 2015
bei Comics & Graphics.
Sa 9. Mai – ab 11 Uhr!
Mehr Infos:
An alle, die uns gestern an unserem Stand auf der Berliner Comicmesse im Ellington-Hotel besucht haben: es war schön Euch dort zu treffen, viel Spaß mit den neuen Comics. Ihr habt mal wieder guten Comic-Geschmack bewiesen! ;)
Vielen Dank auch an die Veranstalter, es lief wie gewohnt alles reibungslos. Und auch wenn in der großen Halle wieder mal der eine oder andere Trödeltrupp am Start war, so ist die Veranstaltung insgesamt doch absolut gelungen – was sicherlich auch an dem wunderbaren Publikum mit ehrlichem Interesse an der Vielfalt der Comics gelegen haben dürfte.
Na klar, auf der Hipsterskala fällt die Comicmesse etwas hinter der Comicinvasion zurück (gut-bürgerliche weisse Tischdecken-Strenge vs. morbiden Industriebau). Die Invasion ist ja auch eher Party als Messe. Dafür gab es auf der Messe weniger Kleinkunst, und dafür ein größeres Spektrum an gereiften und bereits verlegten Comics zu sehen. Die beiden Veranstaltungen könnten unterschiedlicher nicht sein, und haben beide ihre Berechtigung, und konkurrieren nicht miteinander. Was mich an der Comicinvasion etwas irritiert ist der Anteil der Non-Comics, der gefühlt 80% der Veranstaltung ausmacht. Nichts gegen einen Vermischung von Comic und sonstigen Kunstformen, allerdings würde ich mir bei einer Comicveranstaltung auch einen entsprechenden Schwerpunkt wünschen. Das erinnert mich an einen Spruch aus der Comicbibliothek Renate gegenüber einen Comiczeichner, der dort Comics unterbringen wollte: "am besten laufen so Sachen, die garnichts mit Comic zu tun haben".
Ein wenig zu simpel fand ich einige Verlagsstände im Ellington, da wurden ein paar Bücher auf den Tisch gelegt und zwei Praktikanten dahinter gestellt, und das wars dann. Da könnte es doch mal was besonderes geben, ein paar mehr Zeichner, eine aufwändigere Präsentation mit riesigen Aufstellern, Plakaten oder andere Specials. Das würde auch dem Foyerbereich nochmal mehr Festivalcharakter geben, und zu einem Erlebnis für die Besucher beitragen. Für viele Aussteller ist die Messe doch offenbar immer noch eine Börse.
Wobei ich immernoch der Meinung bin, dass eine Kombination aus beiden Veranstaltungen – Messe und Invasion – die beste Variante für Berlin wäre, und auch einen realistischen Überblick über die Bandbreite, über das derzeitige Spektrum des Comics geben würde. Und aus vielen Gesprächen habe ich herausgehört, dass ich nicht der Einzige bin, der sich so etwas wünscht. Es wird wohl leider ein Wunsch bleiben.
Heute gibt es einen Gastbeitrag von Nikodinte, einer jungen alten Stammkundin:
Also ich kenn das gut, ich will einen Text schreiben und mir fallen 100 Themen ein, die auch anderen schon eingefallen sind und alle Quellen die ich finde sind ungefähr genauso langweilig und unverständlich, wie die eigenen Antworten..ähem.
Als ich neulich gedanklich dann doch mal fremd ging fiel mir ein Artikel zu einer Dissertation in die Hände, die schlicht und ergreifend ein Comic ist. Für euch Comichelden mag das jetzt langweilig klingen, für mich klang das wie die Legalisierung von etwas total Verbotenem.
In einem englischen Artikel über Nick Sousanis Dissertation erzählt uns die Autorin Kaitlin Mulher, wie sehr sich der Horizont einer ganzen Universitätspresse dadurch erweitert hat; Sie haben tatsächlich zum ersten Mal einen Comic drucken müssen!
Dieses Buch ist in englischer Sprache, es kommt im Paperback-Format und ist zur Zeit nur bei wenigen Anbietern erhältlich, Kostenpunkt 20,50 €. Thema? Hab ich vergessen. Auf jeden Fall sollten sich das alle mal anschauen, die gerade bei der Masterarbeit hocken und denen Worte einfach nichts mehr sagen.
Unflattening
von Nick Sousanis
Herausgegeben von der Harvard University
Anmerkung: ihr könnt das Buch natürlich über unseren Laden beziehen, ggf. bitte vorbestellen.
Nach Richtung ist dies hierzulande die zweite Veröffentlichung eines Titels des Künstlers innerhalb weniger Wochen: Die Verschiebung von Marc-Antoine Mathieu aus dem Hause Reprodukt. Diesmal ist es wieder eine Geschichte aus der Reihe Julius Corentin Acquefacques – Gefangener der Träume. Fans der Serie werden es ahnen – es gibt auch wieder ein Special im Buch. Traumhaft!
Hoppla! Julius Corentin Acquesfacques wird unsanft aus seinen Träumen gerissen und in eine Geschichte geworfen, deren Anfang er nicht kennt. Die Handlung von “Die Verschiebung” beginnt auf Seite 7, das Titelbild findet sich auf Seite 59 und mittendrin scheint jemand mehrere Seiten aus dem Buch gerupft zu haben. Der unerschrockene Grenzgänger Acquesfacques muss sich sputen, um nicht von den Ereignissen der Verschiebung überrollt zu werden…
Die Reihe um Julius Corentin Acquefacques entführt den Leser in einen Kosmos aus kafkaesker Bürokratie, surrealen Szenarien und wahnwitziger Traumlogik. Marc-Antoine Mathieu lotet einmal mehr die Grenzen des Erzählbaren aus – und nebenbei auch die der Buchgestaltung – sodass man aus dem Staunen gar nicht herauskommt. – Pressetext
Hier eine Übersicht über die Neuzugänge der letzten Tage in unserem Laden – wie immer mit ein paar garantiert subjektiven Kommentaren:
Der große Tote, Band 5 – Panik
Endlich – die lang erwartete Fortsetzung ist da, die Serie von Loisel (Szenario) und Mallié (Zeichnungen) ist ein Bestseller unseres Ladens. Wunderbar erzählt und virtuos gezeichnet. Einen Artikel über die Serie könnt Ihr hier im Blog nachlesen: Fantasie vs.Realität.
Don Quixote und Sancho Pansa – die Ritter der Neuzeit sind wieder unterwegs. In alter Ritterliteratur schwelgend und vergangene Zeiten heraufbeschwörend, ist der Roman fiktionale Rittergeschichte, und macht sich gleichzeitig darüber lustig. Das ist manchmal köstlich, manchmal absurd – so eine Art Terry Pratchett Roman oder Donjon der frühen Neuzeit. Ich bin gerade dabei, diese Graphic Novel zu lesen. Gezeichnet wurde das Werk von Rob Davis, der aus der "Judge Dredd" und "Dr. Who" Ecke kommt, und einiges an Erfahrung mitbringt. Und diese tut der Umsetzung gut, wie man im Vergleich zu diversen missglückten literaturadaptierenden Comics (oder einigen anderen halbherzigen Comics von sog. etablierten Literaturverlagen) feststellen kann.
Bereits vor einigen Jahren hatte ich mich mal an dem Roman von Cervantes versucht. Ich hatte so eine 600 Seiten Ausgabe (es handelte sich dabei sogar noch um eine gekürzte Ausgabe). Leider hat sich dann herausgestellt, dass dieser Roman zu den Klassikern der Weltliteratur gehört, die unlesbar sind. Das könnte an der angestaubten Übersetzung liegen, oder auch an der Tatsache, dass das Werk zu Beginn des 17. Jahrhunderts enstand. Das mag in Literaturzirkeln gut ankommen – ich mußte das Leseexperiment wg. Unerträglichkeit allerdings abbrechen. Nun gibt es eine Graphic Novel Adaption, und ich wage mich erneut an das Werk. Und soweit ich das nach ca. einem Drittel beurteilen kann, funktioniert die Geschichte sehr gut. Sie ist kompakt, ohne dass der Künstler das Werk zum Comic-Quickie degradiert. Immerhin zählt auch die Graphic Novel knapp 300 Seiten. Don Quixote wurde entstaubt und humorvoll erzählt, gezeichnet in einem Stil, den ich übrigens eher bei Reprodukt erwartet hätte (zum Glück bleiben einige Verlagsprogramme im positiven Sinne weiter unberechenbar) – sehr schön!
Der Schatz der Tempelritter ist eine empfehlenswerte historische Abenteuerserie. Der zweite Band der dreiteiligen Serie ist nun erschienen. Im 14. Jahrhundert läßt König Philipp IV die Tempelritter wg. angeblicher Ketzerei verhaften und zerschlägt in einem Schauprozess den dem Papst unterstellten Orden. Bis heute ist diese abgekarterte Geschichte einerserseits und die mythische Ikonisierung der Templer als Elite-Ritter auf der anderen Seite Inspirationsquelle für zahlreiche Verschwörungstheorien, Filme und Romane, insbesondere auch was den Verbleib des Vermögens des Templerordens angeht. Der Comic hält sich aber eher an die Zeit und versucht sich nicht an weiteren Verschwörungstheorien. Die Protagonisten sind einige Templer, die mehr oder weniger zufällig der Gefangennahme entgehen, und sich aus unterschiedlichen Motivationen heraus auf die Suche nach dem Schatz der Tempelritter begeben. Daneben geht es auch um Politik, um den Konflikt zwischen Staat (König) und Kirche (Papst), um leere Kriegskassen und missbrauchten Glauben. Die Reihe ist für junggebliebene oder jugendliche Leser ab 12 Jahren geeignet.
Erdacht wurde der Comic von Jordan Mechner, der auch das Computerspiel Prince of Persia entwickelt und an dessen Verfilmung mitgewirkt hat. Aber keine Sorge – totgerenderte Computerspielgrafiken gibt es in dem Comic nicht zu sehen, ganz im Gegenteil wirken die Seiten eher handgemacht.
The Sculptor – Der Bildhauer. Der neue Scott McCould ist nun auch auf Deutsch erhältlich. McCloud hat einige der besten analytischen Bücher zum Thema Comic vorgelegt (Comics machen, Comics richtig lesen, Comcis neu erfinden; Carlsen). Man sagt ja, Analytiker sind keine guten kreativen Schöpfer. Um herauszufinden ob das stimmt, könnte man diesen Band lesen. Immerhin ist McCloud eine Koryphäe des Mediums. Zeichnerisch bewegt sich der Band eher auf Standard Deluxe Niveau – ich nenne das immer "Amerikanische Ligne Claire" – das haben wir alles schon hundertmal gesehen. Das macht es nicht schlecht, und es sieht auch wirklich sehr gut und zugänglich aus, trotzdem hätte McCloud hier etwas mehr eigenen Stil entwickeln dürfen. Bei uns bekommt Ihr übrigens auch die englische Ausgabe des Buches.
Nochmal Loisel. Das Nest Band 9 hat diesmal Überlänge und schließt die Serie ab. Die kanadische Serie würde man wohl – wenn sie ein Film wäre – Heimatfilm nennen. Heimatcomics – ich glaube den Begriff gibt es bislang noch nicht. Und in der Tat besteht die Serie folgerichtig aus abgefeierter Ereignislosigkeit. Das muss man ehrlicherweise sagen dürfen, denn dies muss man erstmal mögen, und die uns bekannten Fans der Serie lieben es. Zeichnerisch liefert Loisel hier die Crème de la Crème der Comickunst ab. Besser geht es nicht. Punkt. Und in der Dorfgeschichte gibt es wunderbare, kauzige und schrullige Charaktere, die einem ans Herz wachsen. Leider sind die ersten beiden Bände dieser Perle der Comickunst nicht mehr lieferbar, Neueinsteiger werden es schwer haben.

Die Nacht der lebenden Toten Band 1: Vatersünden
Zombies sind nicht totzukriegen: Eine Neuintepretation des Kultfilms. Hier gibt es eine erste Rezension.
Death Experience Band 1: Die Barke des Ra
Wohlhabene Mutter baut in Nasa-Labs ein Schiff nach dem Prinzip einer ägyptischen Sonnenbarke, das der Seele ihres im Sterben liegenden Sohns nach dem Tod ins Jenseits folgen soll… Ich hab den Band bereits gelesen, meine Meinung dazu (die leider sehr zwiespältig ausfällt), werde ich eventuell später hier im Blog noch kund tun…
