Eine außergewöhnliche Reise
von Filippi, Gamboni, Yvan
Toonfish
Hardcover, 144 Seiten in Farbe, 29.95 EUR
Impressionen zum vorläufigen Steampunk-Ereignis des Jahres. Reinschauen!
Eine außergewöhnliche Reise
von Filippi, Gamboni, Yvan
Toonfish
Hardcover, 144 Seiten in Farbe, 29.95 EUR
Impressionen zum vorläufigen Steampunk-Ereignis des Jahres. Reinschauen!
Die Splitter-Novitäten für März sind eingetroffen.
Desweiteren ist der neue Planet der Affen Band von Crosscult eingegangen.
Dass der junge Crusher mal Philosoph wird, hätte wohl niemand gedacht. Zwei wunderbare und durchaus universell (nicht nur für Comicfans) anwendbare Plädoyers aus 2013 und 2014, die auch hier mal im Blog verewigt werden sollen. Es geht um nicht weniger als Enthusiasmus im Leben. :)
Hier eine Übersicht unserer Neuzugänge der letzten Tage.
Es ist sehr schwer ohne zu spoilern etwas über die letzten Bände zu sagen. Der Klappentext von Band 1 hat im späteren Verlauf der Serie nur noch bedingt seine Richtigkeit, denn spätestens seit Band 3 kippt die Handlung in eine völlig andere Richtung. Sagen wir es mal so, es bleibt spannend, actionreich aber in seiner Vielschichtigkeit auch nicht ohne Anspruch. Einen kleinen Artikel über den Anfang dieser exzellenten italienischen Science Fiction Serie findet Ihr hier im Blog.
Update: Im März erscheint dann der sechste und abschließende Band der ersten Storyline. CrossCult hat inzwischen angekündigt, auch die zweite Geschichte zu veröffentlichen: die Ringo-Bände 1 – 3 erscheinen jeweils im Mai, Juni und September 2015.
Für Fans von Andreas (Cromwell Stone), und Liebhaber großer Zeichenkunst. So genial, das wir diesem Buch noch einen eigenen Artikel widmen und dort die Superlative auspacken werden. Stay tuned.
Außerdem gibt Neuauflagen diverser The Walking Dead Bände von CrossCult (zZ. haben wir alle Bände von 1 bis 22, sowie die auf Sammelbände Lager).
Der neue Scott McCloud ist auch eingetroffen. :)

CrossCult muss mal wieder das Betriebsververmögen senken, und shreddert dazu Comics. Das Finanzamt besteuert den Wert des Bücherlagers. Jedes Jahr führt das u.a. bei Comicverlagen dazu, dass Werte einfach so vernichtet werden. Willkommen im Abendland. Wenn man sieht, welche tollen Titel da geopfert werden (u.a. die Möbius Perlen) müssen, bekommt man Tränen in den Augen.
Verschenkt oder verramscht sollen die Bücher auch nicht werden, und ich muss sagen – da kann ich CrossCult und andere Verlage auch verstehen. Der Coverpreis der Bücher ist für die Branche erforderlich, da bereichert sich eh niemand über das Maß hinaus. Viele Titel spielen aufgrund kleiner Auflagen gerade mal die Kosten, manche nichtmal das. Ramsch würde dabei neue Produktionen gefährden und ist auch immer eine Entwertung der Comics (zB. für die Leser und Sammler, die den regulären Kaufpreis bezahlt haben).
Fairerweise informiert CrossCult immer einige Wochen vorher über die Recyclingaktion. Diesmal geht es um diese Titel:
Solltet Ihr einen dieser Titel haben wollen, empfehle ich Euch schnellstmöglich Bescheid zu sagen, so dass wir Euch die Sachen mitbestellen können (die meisten dieser Titel haben wir auch noch auf Lager). Bestellbar sind die Titel zwar laut Verlag bis 30. Juni 2015, jedoch sind erfahrungsgemäß immer einige Titel vor der Deadline vergriffen.
Eine bunte Mischung – Überblick über die Neuerscheinungen der letzten Tage
Bei dem Wort Anthologie denkt man unweigerlich an frühe künstlerische Gehversuche oder Fanzines, an eine Plattform für Newcomer. Dies hat natürlich seine Berechtigung. Anthologien mit Werken gestandener Comickünstler gibt es jedoch selten. Eine Ausnahme ist die Mouse Guard: Legenden der Wächter Serie, deren zweiter Band soeben erschienen ist.
David Petersen, Erfinder (Autor und Zeichner) des Mouse Guard Fantasy Epos gibt die Rahmenhandlung vor. In einer Taverne findet zum zweiten Mal ein Geschichtenwettbewerb statt. Die einzelnen Geschichten, die sich die Mäuse erzählen werden dann von unterschiedlichen Künstlern geschrieben und gezeichnet.
Die Reihe gehört mit dem zweiten Band nun endgültig zu den schönsten Comicanthologien des Planeten. Eine große, romanartige Story wie bei der Hauptserie darf man natürlich nicht erwarten. Es sind eher sehr kurze Geschichten, und manchmal auch nur Momente aus dem Leben der Mäuse, die hier stilistisch auf vielfältige Art und Weise – ganz ohne Einmischung von David Petersen – in Szene gesetzt werden. Mit dabei sind diesmal zB. Stan Sakai (Usagi Yojimbo), Bill Willingham (Fables) und der einmalige Christian Slade (dessen surrealen Hundecomic Korgi Ihr Euch unbedingt mal bei uns im Laden ansehen solltet). Mouse Guard: Legenden funktioniert als Anthologie zum Kennenlernen neuer Zeichner und Autoren, aber auch als Add-On zu der empfehlenswerten Mouse Guard-Hauptserie, von der inzwischen drei Bände erschienen sind. Ich blättere immer wieder gerne darin – Mouse Guard ist einfach etwas Besonderes.
Teil 4 der hemmungslosen und mit Preisen überschütteten Space Opera, in der auch die Bösewichte eine Privatleben haben ist wie immer originell und schräg, und driftet diesmal inhaltlich in eine unerwartete Richtung ab. Wie immer ist das extrem unterhaltsam.
Zeichner Crisse hat sich eigentlich eher der Fantasy verschrieben. Bei Splitter erschienen diverse Serien des Zeichners (Atalante, Luuna, Ishanti). Nun hat der kleine, aber feine Verlag Dani-Books eine All-Age-Geschichte des Künstlers (der in diesem Fall als Autor tätig wurde) veröffentlicht, in der es um die Abenteuer eines ungleichen afrikanischen Tiergespanns geht. Ein schön gemachter Mainstreamcomic zwischen Dschungelbuch und Ice Age.
Einen Einblick in diesen Band erlaubt dieses Hands-On-Video:
Ein zweiter Band von Kalimbo ist in Vorbereitung.
And now for something completely different: Hexe Total von Simon Hanselmann aus dem Hause Avant. Witzig, aber so garnichts für Kinder. Gerne hätte ich den Band am Wochenende gelesen und hier genauer vorgestellt, aber bereits am Samstag sind mir alle bestellten Exemplare im Laden sprichwörtlich aus der Hand gerissen worden, so dass ich am Ende selbst keins mehr hatte. Total verhext. Aber keine Sorge, morgen sollte Nachlieferung eintreffen und der Titel wieder verfügbar sein, und wenn es mir meine Zeit erlaubt werde ich noch einige Worte dazu nachreichen.
Hier gibt es estmal die Presseerklärung vom Berliner Avant-Verlag:
Megg ist eine depressive, drogenabhängige Hexe. Ihre schwarze Katze heißt Mogg und dann gibt es da noch ihren Freund Eule, eine anthropomorphe, äh, Eule. Die drei hängen öfter mit Werwolf Jones ab. Was auf den ersten Blick als episodische Sitcom daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ausgefeilte Charakterstudie
der Vorstadtlangeweile, die es mit Werken von Todd Solondz, Matt Groening oder Flaubert aufnehmen könnte.
In der abgedrehtesten Stoner-Comedy aller Zeiten wird das Genre tatsächlich vorangetrieben: Diese Charaktere kämpfen auf eine Art und Weise mit Depressionen, Drogenkonsum, Sexualität, Armut, Arbeitslosigkeit und ihren Gefühlen zueinander, die sie im Nu zu den beliebten Stars von Simon Hanselmanns Girl Mountain Tumblr-Seite machten.


Der Splitter-Verlag hat gestern Nacht abschließend die Monatsvorschau von Mai bis Oktober bekanntgegeben. Neben diesem lang erwarteten Titel
gibt es wie immer ein buntes Genre-Programm mit vielen Fortsetzungen bekannter Serien und Serienneustarts, Books und Doubles. Mein persönliches Highlight: Die alten Knacker von Lupano (Autor von Alim der Gerber, Azimut, Der Affe von Hartlepool). Da bin ich mal gespannt drauf. :)
Der Abschlußband der Science Fiction Serie, die mit Band 1 Mitte der 80er Jahre als Auftragsarbeit von Citroën begann, später fortgeführt wurde und dann im sechsten Band 2004 ihren Abschluß fand. Moebius erzählt im letzten Band einige kurze Episoden. Es gibt unter anderem einen Gastauftritt von Major Grubert ("Die hermetische Garage"). Schreiber & Leser schließt damit nun die bibliophile Neuedition dieses Klassikers ab.
Schreiber & Leser
Hardcover, 56 Seitenm, 16.95 EUR
Eine Sammlung von Strips von Ulf K., die ursprünglich in der FAZ erschienen. Reduzierte, sehr schöne Comics ohne Worte. Der Anfang nach dem Ende ist passend zu den Strips im Querformat erschienen.
Mit signiertem Siebdruck – limitiert auf 500 Exemplare.
Edition 52
Hardcover, 112 Seiten, 22.00 EUR
Nachdem es in Die Ignoranten um Comics und Wein, und den Clash der Passionen ging, beschäftigt sich Autor und Zeichner Étienne Davodeau diesmal (wieder) mit dem Kunstverständnis.
Fabien arbeitet als Museumsaufsicht im Louvre. Als seine Freundin ihn mit zu ihrer Familie nimmt, ist ihm nicht ganz wohl in seiner Haut. Begeistert zeigen ihm die Benions den schielenden Hund, ein altes Gemälde, das sie vor Kurzem auf dem Dachboden entdeckt haben. Nun steckt Fabien in der Klemme.
Denn wenn er es mit seinen amourösen Avancen ernst meint, dann sorgt er dafür, dass das Bild bald im Louvre zu sehen ist. Der schielende Hund vom Erfolgsautor Étienne Davodeau ist eine charmante Farce, die der Frage nachgeht: Was genau ist eigentlich Kunst?
– Pressetext
Egmont Graphic Novel
Hardcover, 144 Seiten, 24.99 EUR
Ich hätte nicht gedacht, dass die Serie fortgesetzt wird – nun ist Band 6 erschienen. Cosa Nostra – das ist die Geschichte der Mafia in den USA, das Werk gilt als hervorragend recherchiert. Die Geschichte ist lang und sehr ausführlich und detailiert, und soll sich – bis auf eine fiktive Figur, die durch die Geschichte führt (siehe Band 1) – an Tatsachen orientieren. Cosa Nostra ist meine zweitliebste Mafia Serie (nach Blut und Schweigen, als Dreiteiler ebenfalls bei Schreiber & Leser erschienen – reinschauen!).
Schreiber & Leser
Hardcover, 160 Seiten, 24.80 EUR
Neues von Reinhard Kleist. Diesmal setzt er die wahre Geschichte der Sportlerin Samia Yusuf Omar um.
Die Sprinterin Samia Yusuf Omar vertrat Somalia bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking. Sie wurde jedoch von islamischen Extremisten bedroht, die ablehnen, dass Frauen Sport treiben. In der Hoffnung, an der Olympiade in London teilnehmen zu können, versuchte sie die Flucht nach Europa. Samia Yusuf Omar ertrank 2012 im Alter von 21 Jahren vor der Küste Maltas.
– Pressetext
Carlsen
Hardcover, 152 Seiten, 17.90 EUR
Die neue autobiografische Graphic Novel des italienischen Künstlers Gipi (S., Reprodukt, Aufzeichnungen für eine Kriegsgeschichte, Avant). So schlecht wie der Titel suggeriert ist es übrigens nicht gezeichnet. ;)
Mit "Mein schlecht gezeichnetes Leben" legt der große italienische Comicerzähler Gipi sein persönlichstes Buch vor. Er erzählt darin von seiner Jugend und der unstillbaren Gier nach neuen Erfahrungen, von Drogen, Knast und Liebesleid. Ohne Pathos eröffnet Gipi dem Leser einen tiefen Einblick in seine Seele, teilt Ängste, Zweifel und die schwärzesten Momente mit ihm, aber auch jene der Freundschaft und des Glücks.
Sein steter Wechsel zwischen gestern und heute, zwischen ungeschönter Wahrheit und zügellosen Fantasien, seine epische Komplexität und die rohe Kraft seiner virtuosen Zeichnungen machen "MSGL" zu einem Ereignis und einem Meilenstein des autobiografischen Erzählens.
– Pressetext
Reprodukt
Softcover, 144 Seiten, 20.00 EUR
Der junge Adrian Velba ist selig: Nachdem er monatelang hart in der Kampfschule von Meister Jansen trainiert hat, darf er beim großen Turnier antreten, das der Königshof alljährlich ausrichtet. Als Partner des zwielichtigen Hünen Richard Aldana steht Adrian nun vor dem ersten echten Duell seines Lebens in der Arena.
Mit "LastMan" legen Balak, Michaël Sanlaville und Erfolgsautor Bastien Vivès ("Polina", "Der Geschmack von Chlor") eine actionreiche Hommage an Computerspielklassiker und Shonen Manga wie Akira Toriyamas "Dragon Ball" vor: rasant, amüsant und mit einem untrüglichen Gespür für Erzählung und spannende Figuren.
– Pressetext
Reprodukt
Softcover, 216 Seiten, 18.00 EUR
Weiter geht es mit Teil 2 der ambitionierten Gesamtausgabe des frankobelgischen Klassikers.
Carlsen
Hardcover, 208 Seiten, 29.90 EUR
Mit "Sherlock Holmes" hat Sir Arthur Conan Doyle einen der größten Mythen der letzten 100 Jahre geschaffen. Bis hin zu Steampunkvarianten und der m.M. extrem guten BBC-Adaption, die die Detektiv-Geschichten in die moderne Zeit gehoben haben, ist das Thema Holmes einfach nicht totzukriegen. Auch im Medium Comic gibt es da mit "Holmes" (Jacoby & Stuart) oder "Baker Street" (Piredda) unterschiedlichste Adaptionen und Interpretationen.
Nicht ganz so bekannt ist Doyles 1912 geschriebenes Werk Vergessene Welt aus der "Professor Challenger"-Trilogie, die als hervorragend recherchiert gilt (natürlich mit Ausnahme des Fiction-Elements). Zwar ist die Romanvorlage mehrfach verfilmt worden (meistens wurde jedoch nur die Grundidee aufgegriffen), größeren Bekanntheitsgrad hat die Idee aber wohl eher mit der offenkundig von diesem Roman inspirierten Umsetzung von Michael Crichton mit Jurassic Park erlangt, dessen zweiter Teil praktisch als Referenz auch den Untertitel "Vergessene Welt" (Lost World) trägt. Nebenbei empfehle ich bei Crichton immer die Bücher, keine der mir bekannten Verfilmungen seiner Bücher erreicht annähernd die Vorlage.
Nun ist gerade der Auftakt zu einer Comicreihe erschienen, die sich vorgenommen hat Doyles Roman Vergessene Welt zu adaptieren. Anders als bei Crichton, der noch aktuelle Themen wie Gen- und Clone-Technologie, sowie die Chaostheorie in seine Bücher einfliessen ließ, geht es hier eher klassisch zu Sache.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts macht sich Professor Challenger auf den Weg nach Südamerika. Dort soll es ein nicht kartographiertes Hochland geben, welches von hohen Felswänden eingeschlossen und damit vom Rest der Welt isoliert ist. Durch die Isolation von der Außenwelt sollen dort längst als ausgestorben geltende Lebensformen (zB. Dinosaurier) leben. Challengers Theorien sind in Gelehrtenkreisen umstritten, und er fordert bei einer Vorlesung den konservativen Wissenschaftler Professor Summerlee heraus, der ihn darauf auf der Expedition begleitet. Mit von der Partie sind noch der Reporter Ned Malone und der Großwildjäger Boxton. Später stößt noch der Südamerikaner Pablo dazu. Gemeinsam dringt die Gruppe auf einer gefährlichen Reise bis in das unentdeckte Land vor. Soviel sei verraten: da dies der erste Teil der Geschichte ist, kann man Dinosaurier erst auf den letzten Seiten des Comicalbums sehen. Dazwischen gibt es aber wunderbare Bilder zB. des Amazonasgebietes und der Hochebene. Der präzise und klassische Strich des Zeichnerteams Faina und Salvatori ist wie für die Erzählung gemacht.
Man darf bei diesem Buch keine besonders unkonventionelle Story erwarten. Die Geschichte ist in den Grundzügen bekannt, einzelne Elemente der Storyline wurden auch in vielen anderen Abenteuer-, Science Fiction- oder Fantasywerken verwendet (um nicht zu sagen verwurstet). Aus heutiger Sicht mutet die Grundidee natürlich auch etwas naiv an. Heute haben wir Satelliten, die Welt ist vermessen, und vermeintlich wissen wir alles. Unser Planet ist nicht mehr so groß wie früher. Unberührte Landstriche mit riesigen Kreaturen – was für ein Blödsinn, werden da die Smartasses rufen!
Trotzdem setzt der Comic charmant auf die Sichtweise des beginnenden 20. Jahrhunderts – back to the roots. Neben den oben erwähnten tollen Zeichnungen sorgt dafür Autor Bec. Bec steht eigentlich durchaus für experimentelle, manchmal sogar sperrige Comics (Prometheus, Heiligtum, Bunker, Absolute Zero, alle bei Splitter), oder das ebenso grandiose wie traurige Horrordrama "Pandämonium" (ECC). Die Vergessene Welt fällt dagegen geradezu zugänglich aus. Bec hat dabei aber viel richtig gemacht. ZB. reden und agieren die Personen so, wie es für die Zeit der Handlung plausibel und nachvollziehbar ist. Die Protagonisten sind nicht zu cool, die Professoren und der Jäger sind selbstverliebte Briten, der junge Reporter ist eher von einer gewissen Naivität geprägt. Der Jäger ist kein Proll, sondern ein schnöseliger Aristrokat, der verschreckte Indios lieber erschiesst, als sie gehen zu lassen. Humanismus und Forscherdrang kommen ebenso zum Ausdruck, wie die Arroganz des weißen Mannes. Die Akteure sind eben keine grünen Ökoaktivisten, und sagen auch nicht "Alter" zueinander, sondern sind Personen der Zeit. Es ist nur konsequent, dass Bec den Protagonisten keine emanzipierten weiblichen Figuren an die Seite stellt, wie es in verschiedenen anderen Adaptionen getan wurde. Damit bewahrt sich diese Adaption ihre Authentizität und unterscheidet sich grundlegend von anderen Werken des Genres wie zB. "Jurassic Park" (auch wenn Crichton hier eine gar nicht mal so abwegige Idee mit den geklonten Sauriern hatte), oder wie der zurecht nach der ersten Staffel abgesetzten Serie "Terra Nova", wo mittels Zeitreisen der moderne Homo Sapiens auf den guten alten Tyrannosaurus Rex traf. Bec verzichtet dabei auch auf Wendungen innerhalb der Geschichte und erzählt von zwei kleinen Rückblenden abgesehen klassisch linear.
Die vergessene Welt, die hier beleuchtet wird ist nicht nur das isolierte ökosystem mit den Sauriern, sie ist hier auch eine Metapher für die große, klassische Abenteuerliteratur, und deren Zeitgeist.
Vorlage, Zeichenstil und Erzählweise gehen hier in diesem Werk wunderbar zusammen, und wenn es gut gemacht ist darf man m.E. auch ein schon mehrfach adaptiertes Werk nochmal umsetzen. Wie werkgetreu die Umsetzung sein wird, ist übrigens bislang noch nicht absehbar. Der erste Band erzählt erstmal die Reise in die entlegene Welt. Laut einem Vermerk im Buch wird es wohl eher eine freie Umsetzung. Man darf auf den zweiten Band gespannt sein.
Vergessene Welt
Splitter
von Bec, Faina, Salvatori
Hardcover, 14.80 EUR, 56 Seiten, in Farbe
Anm.: Diesen Text habe ich für das Online-Magazin Serien.Ninja geschrieben, dieser ist dort bereits in ähnlicher Fassung erschienen.
Die Februar-Titel von Splitter sind gestern Abend hier eingeschlagen:
Hier noch ein Rückblick auf Januar-Titel von Splitter:
Toonfish Januar:
Da der Laden Samstags eh fast immer über die offiziellen Öffnungszeiten hinaus geöffnet ist, und sich die Stunde zwischen 4:00 und 5:00 p.m. besonderer chilliger Beliebtheit erfreut, mache ich es jetzt mal offiziell und verbindlich:
Öffnungszeiten ab sofort
Di – Fr 11-19 Uhr
Samstags 11-17 Uhr
Montags geschlossen
Januar 2015 – wer jetzt noch keinen Kalender hat sollte zuschlagen. Zwei schöne Kalender haben wir noch auf Lager:
Dazu muss ich wohl nicht mehr viel sagen.
Wandkalender, mit 12 Monatsblättern und Bildern aus der Reihe "Die Mütter vom Kollwitzplatz", mit Deckblatt.
Spiralbindung. Format: 30 x 15 cm im Querformat
15.00 EUR
Übrigens hat uns der Verlag informiert, dass der Kalender so gut wie vergriffen ist. Wir haben noch einige wenige Exemplare auf Lager.
Dabei handelt es sich um einen ausgesprochen wertig hergestellten und schön gestalteten Monatskalender. Schönes Papier, guter Druck, tolle Illustrationen von 13 Künstlern und Historikern.
Mit dabei sind Phillip Janta, Francesca Sai, Sonja Kurzbach, Gabriel deVue, Andreas Preis, Darko Floreani, Dominik Joswig, Laetitia Hildebrand, Fides, Christoph Mett, Jojo, Alexander Hanke und Sonja Danowski.
Stichwort lokale Wertschöpfung – der Kalender wurde nicht in Singapur oder Litauen, sondern hier in Prenzlauer Berg bei Pinguin gedruckt. Vorbildlich!
Wandkalender mit 12 Monatsblättern und Deckblatt
Spiralbindung , Format: 42 x 34 cm im Querformat
19.90 EUR
Es hat sich auch noch ein Le Monde Diplomatique – Kalender von 2014 angefunden. Falls jemand Interesse hat (zum Sammeln, Zerlegen etc.), bitte melden.
Liebe Comicfans,
ich hoffe Ihr habt die Feiertage gut überstanden, und seid gut im neuen Jahr angekommen. Bei uns war es jedenfalls so. Das Interesse an Comics in der Vorweihnachtszeit war sensationell, dafür nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Stamm- und die vielen Neukunden, und viel Spaß auch allen Beschenkten!
Bevor ich nachher auf die ersten Januar-Novitäten eingehe, möchte ich hier nochmal einen kleinen Rückblick auf das Jahr 2014 geben. Los geht es mit unserer Bestsellerliste, die ich eigentlich traditionell bereits am Ende des Jahres poste. Erfreulicher- und zugleich bedauerlicherweise hatten wir im Dezember aber nur sehr wenig Zeit, so dass ich dies jetzt kurz nachole. Danach möchte ich noch einen kurzen Überblick über meine persönlichen Favoriten im Jahr 2014 geben, von denen ich drei neue Titel und einen Nachdruck besonders hervorheben möchte.
Weitere Links zur "Best of 2014 Comics" hat übrigens der junge Comicblog Dreimalalles zusammengetragen. Leser und Jury-Meinungen zum Thema gab es wie jedes Jahr auch auf der Webseite des Tagesspiegels. An dieser Stelle möchte ich Barbara Yelin zur Auszeichnung Comic des Jahres für ihre Graphic Novel Irmina gratulieren.
Erwähnenswert dabei ist, dass Platz 1 Kinderland doppelt so oft verkauft wurde, wie jeweils Platz 2 bis 4 (die Plätze 2 bis 4 liegen dicht zusammen). Der Schneekreuzer hat sich einen der Top-Plätze durch unseren Signiertermin auf der Berliner Comicmesse ergattert. Interessant sind dabei noch die Longseller: Der alltägliche Kampf, Pjöngjang, Jerusalem und Orbital sind allesamt schon in den Vorjahren erschienen, und erreichen immer noch hohe Plätze.
Unsere bestlaufenden Serien bei Addition aller verkauften Teile waren Koma (Reprodukt), Donjon (Reprodukt), One Piece und Naruto (Carlsen), Waisen (Cross Cult) und Elfen (Splitter), sowie die Panini-Heftserien von Marvel und DC.
2014 war es besonders schwierig, die besten Comics unter den vielen Neuerscheinungen herauszukristallisieren. Thematisch und formal gehen die Comics und Graphic Novels immer mehr in die Breite, und teilweise lassen sich die Novitäten nicht miteinander vergleichen. Wie dem auch sei, kommen hier Titel, die für mich etwas Besonderes darstellen. Dass hier Tiere öfter mal eine Rolle spielen, ist übrigens rein zufällig. :)
1. Die Kinder des Kapitän Grant (Splitter): Dies ist eine Adaption des tragikomischen Abenteuerromans von Jules Verne. Das alleine ist schon mal gut. Noch besser bzw. interessanter ist, dass der Comickünstler Alexis Nesme sich zweier Darstellungsformen bedient, die einen Bezug zu der Zeit haben, in der die Geschichte spielt – nämlich zum 19. Jahrhundert. Zum einen ist der dreiteilige Comic komplett in einem Stil gezeichnet, der Anleihen an die Malerei der Romantik des 19. Jahrhunderts beinhaltet (Caspar David Friedrich lässt grüßen) – einschließlich tiefer und metaphysischer Perspektiven. Zum anderen ist es ein anthropomorpher Comic, und die Darstellung der Protagonisten durch Tiere wurde nicht von Walt Disney erfunden, sondern hat seinen Ursprung ebenfalls im 19. Jahrhundert – zum Beispiel bei J.J. Grandville, der bereits zu dieser Zeit 'comichaft' die Mensch-Tier-Hybriden gezeichnet hat. So hat hier jeder Charakter seine Tierentsprechung, und zugleich gelingt spielerisch die Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch. Der Anschlussband der dreiteiligen Serie ist kürzlich erschienen. Ein faszinierendes Comic-Kunst-Experiment, mit Bildern, in denen man sich verlieren kann.
2. Half Past Danger (Dani Books): Für unseren Blog habe ich über diesen Titel mal geschrieben: "Das ist der Comic, vor dem uns das Feuilleton immer gewarnt hat." "Half Past Danger" ist feinster Retro-Pulp in turbulenter Action mit Nazischurken, Femme Fatale, mörderischen Dinosauriern, und ich zitiere mich hier nochmal selber "… selbstverständlich ist – wann immer jemand ins Wasser fällt – sofort ein Hai zur Stelle". Fast wie ein zu Comic gewordener Spielberg-Film – nur ohne den Pathos. Das Liebhaberprojekt des irischen Zeichners Mooney ist die zeitgemäße und hemmungslose Essenz des Genres.
3. Guerillas (All-Verlag): Im Vietnam-Krieg wird das gesamte Platoon des Schützen Francis Clayton weg gemetzelt. Von nun an muss sich Clayton alleine durchschlagen. Die Lage scheint aussichtslos, bis er auf einen Zug bis an die Zähne bewaffneter Zigarren rauchender und militärisch ausgebildeter Schimpansen trifft. Ob das die Rettung oder der Untergang ist, soll hier nicht verraten werden. Autor und Zeichner Brahm Revel erzählt hier in schönen Schwarz-weiß-Bildern eine Geschichte, die irgendwo zwischen "Planet der Affen" und "Apokalypse Now" liegt. Die Zeichnungen wirken dabei wie aus einer anderen Zeit und fangen vor allem die Atmosphäre in Vietnam zwischen Natur und Kriegsgräuel ein. Erzählt wird auch auf mehreren Ebenen, so gibt es zum Beispiel im ersten Band eine längere Passage, in der im Text die Geschichte des Vaters erzählt und die Psychologie der Protagonisten glaubhaft untermauert wird, während in den Zeichnungen das Platoon durch den Dschungel wandert. "Guerillas" ist als intelligent geschriebener grafischer Unterhaltungsroman ein Kleinod. Band 2 der dreiteiligen Serie ist gerade erschienen.
Reprint:. Usagi Yojimbo (Dark Horse). Außer der Reihe möchte ich noch auf den Sammelband Usagi Yojimbo Saga 1 hinweisen. Ich möchte den Band hier nicht lobend erwähnen, weil wir dieses Jahr 30 Jahr Usagi Yojimbo feiern, oder weil der Zeichner Stan Sakei zwei Familienmitglieder in kurzer Zeit begraben musste, oder weil die Krankheit seiner Frau uns nochmal das – Entschuldigung – beschissene amerikanische Gesundheitssystem vor Augen geführt hat (von dem wir hier wohl nicht mehr weit entfernt sind), aber auch die Solidarität vieler Zeichner von Mike Mignola bis David Petersen, die Zeichnungen mit Usagi Yojimbo erstellt und die Originale bei eBay versteigert haben, um mit dem Erlös die Behandlung der Krankheit von Sakeis Frau finanziell zu unterstützen (ein Sammelband mit Artworks erschien bei Dark Horse). Lobend erwähnen möchte ich den Band, weil das 600 Seiten messende Buch einen großen Teil eines hervorragenden Comics enthält, weil Sakei ein tolles Repertoire an Geschichten drauf hat, die von Abenteuer-Action-Samurei-Gemetzel, über poetische bis zu philosophischen Kurzgeschichten reichen, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Kurz – es ist eine tolle Neuauflage eines großartigen Comics. Der Band ist leider nur auf englisch verfügbar.
Einige meiner weiteren Top-Comics 2014, die mir einen Menge Spaß gemacht haben und die ich hier nur kurz Aufzählen möchte waren:
Eine nautische Fabel (Carlsen), Das Imperium des Atoms (Carlsen), Zauber (ECC), Aspirine (Avant), Azimut (Splitter), Cromwell Stone (Schreiber und Leser), Ghost Money (Schreiber und Leser), Waisen (Cross Cult), Mouse Guard (Cross Cult), Hilda (Reprodukt) und Vom Glanz der alten Tage (Edition 52).
Schaut mal rein!
* eine ähnliche Fassung des Textes ist bereits im Comicblog des Tagesspiegels und bei Serien-Ninja veröffentlicht worden.
Liebe Comicfans, Comics & Graphics wünscht Euch allen ein schönes Weihnachtsfest und einen fulminanten Rutsch ins neue Jahr. Ich melde mich jetzt hier ab – wir sind am Samstag wieder im Einsatz.
Hier gibt es noch einen netten Trailer zum ikonografischen Saisonartikel No. 1 aus dem Hause Dumont. Wir denken inzwischen darüber nach, ob wir dieses Buch unter Fantasy, History oder Graphic Novel einordnen. ;) Sachdienliche Hinweise sind willkommen! Feiert schön – und so wie Ihr wollt!