Folgende Graphic Novels sind gerade bei uns eingetroffen:
Éloi
1842: Die französische Fregatte La Renommée verlässt Neukaledonien, um nach Frankreich zurückzukehren. An Bord befinden sich der Naturforscher Pierre Delaunay und ein junger Kanake namens Éloi, das Objekt seiner Forschung.
Die geschlossene, abgeschottete Welt des Schiffes bildet ein Laboratorium des 19. Jahrhunderts: Die unterprivilegierte Besatzung, Christentum, Positivismus, aber auch aristokratische Traditionen und maritime Verhaltensregeln prallen aufeinander. In hitzigen Debatten wird über den richtigen Umgang mit dem "Naturmenschen" Éloi diskutiert. Die Anschaungen des Naturforschers, des Priesters, der Offiziere und nicht zuletzt der Besatzung stehen sich mehr und mehr konträr gegenüber …
Die Anwesenheit "des Wilden" und die daraus resultierenden Spannungen verschärfen sich zunehmend und münden schließlich in Gewalt. Einzig der Bootsmann Gueltaz erweist sich als ein aufrichtiger Freund Élois.
Die beiden bretonischen Autoren Younn Locard und Florent Grouazel erwecken mit ihrem Graphic-Novel- Debüt eine historische Epoche zum Leben und destillieren daraus eine packende Geschichte über Rassismus, Xenophobie und Ethnozentrismus. Ein aktuelles Thema mit einer gehörigen Brise Meeresluft.
Éloi
von Younn Locard und Florent Grouazel
Avant
Hardcover, 224 Seiten, Duotone, 29.95 EUR
Ich bin Fagin
Moses Fagin, der "Jude" aus Oliver Twist, sitzt im Gefängnis und wartet auf seine Hinrichtung. Empört darüber, wie Charles Dickens ihn in seinem Buch dargestellt hat, erzählt er ihm seine Lebensgeschichte.
Als Sohn böhmischer Immigranten wuchs er in den Slums von London auf. Sein Vater brachte ihm bei, wie man sich mit krummen Geschäften und Betrügereien durchschlägt. Als Fagins Eltern starben, nahm ihn der wohlhabende Geschäftsmann Eleazer Salomon als Diener auf. Bei ihm lernte Moses eine andere Seite jüdischen Lebens kennen. Doch auch in der Oberschicht musste er gegen Vorbehalte und Diskriminierung ankämpfen.
Comic-Altmeister Will Eisner macht Fagin in seiner Graphic Novel zur Hauptfigur und entwirft dessen Lebensgeschichte vor dem Hintergrund des viktorianischen Zeitalters. Fagin wird dadurch zu einem mehrdimensionalen Charakter, der mit Oliver-Twist-Autor Charles Dickens streitet und ihn mit dem Problem des Antisemitismus in der Literatur konfrontiert.
"Will Eisner ist es zu verdanken, dass der Comic Grips bekommen hat." – Alan Moore
"Ich bin Fagin ist ein Meisterwerk der Literaturkritik in Form eines Comics." – Cory Doctorow
Ich bin Fagin – Die unerzählte Geschichte aus Oliver Twist
von Will Eisner
Egmont Graphic Novel
Hardcover, 144 Seiten, zweifarbig, 19.99 EUR
Wie zerknülltes Papier
Javi ist 16 Jahre alt, hat die Schule abgebrochen und ist jetzt eine Art bezahlter Auftragsrowdy, der verschiedene Jobs für Schüler erledigt: Racheakte, Wiederbeschaffung gestohlener Handys, gebrochene Nasen und was sonst noch gebraucht wird. Eines Tages erhält er auf einer Party einen etwas anderen Auftrag, und die Sache geht schief …
Zur gleichen Zeit kommt Jorge in die Stadt und fängt an, für eine Industrieschreinerei zu arbeiten. Sein Kollege Arturo versucht vergeblich, sich mit ihm anzufreunden. Jorge ist ein mysteriöser Mensch, traurig und schweigsam, der eine große Schuld mit sich herumzutragen scheint. Den Ursprung dieses Schuldgefühls kennt nur er, und er muss damit leben.
Für sein Debütalbum erhielt Nadar den Publikumspreis des Comic-Salons in Barcelona 2014.
"Es ist das Theater des Lebens und des Todes, das alte Schauspiel mit den klassischen Darstellern, bei dem jeder Mann und jede Frau eine Maske trägt, die früher oder später fallen muss."
(Alfonso Zapico, Autor von James Joyce: Porträt eines Dubliners)
Wie zerknülltes Papier
von Nadar
Avant
Softcover, 400 Seiten, s/w, 24.95 EUR
Sophie Scholl
Eine junge Frau die durch ihren mutigen Kampf berühmt wurde – Sophie Scholl. Zu einer Zeit als Deutschland scheinbar fest in der Hand des Nationalsozialismus war, verteilte sie mit der Weißen Rose Flugblätter gegen Terror und Faschismus. Doch während Sophie Scholl als überzeugte Pazifistin gegen Diktatur und für Gerechtigkeit kämpfte, machte ihr vier Jahre älterer Freund Fritz Hartnagel Karriere als Offizier der Deutschen Wehrmacht. Der Briefwechsel der beiden gibt einen neuen Einblick in das Leben und Denken Sophie Scholls und bildet die Grundlage dieser Comic-Biografie. Die feinen und detaillierten Zeichnungen von Ingrid Sabisch lassen die Zeit und die starken Charaktere lebendig werden.
Sophie Scholl
von Heiner Lünstedt und Ingrid Sabisch
Knesebeck
Hardcover, 56 Seiten, farbig, 19.95 EUR
Der Fluch der Spindel
Neil Gaiman und Illustrator Chris Riddell verweben zwei Märchen in der Art von Schneewittchen und Dornröschen miteinander und statten sie mit einer spannenden Handlung voll dunkler Magie aus:
Am Vorabend ihrer Hochzeit macht sich eine junge Königin auf, eine Prinzessin von einem Fluch zu erlösen. Sie tauscht ihre feine Hochzeitsrobe gegen Kettenhemd und Schwert und folgt ihrem Zwergen-Hofstaat zu dem in Schlaf gefallenen Königreich. Doch die Prinzessin, die gerettet werden muss, ist nicht, was sie zu sein scheint …
Prächtig illustriert mit Metallic-Druckfarbe und voll schwarzem Humor – das spektakuläre neue Meisterwerk von Neil Gaiman!
Der Fluch der Spindel
von Neil Gaiman und Chris Riddell
Knesebeck
Hardcover mit Schutzumschlag, 72 Seiten, zweifarbig, 16.95 EUR
(Pressetexte)
















Der große Tote, Band 5 – Panik
Don Quixote und Sancho Pansa – die Ritter der Neuzeit sind wieder unterwegs. In alter Ritterliteratur schwelgend und vergangene Zeiten heraufbeschwörend, ist der Roman fiktionale Rittergeschichte, und macht sich gleichzeitig darüber lustig. Das ist manchmal köstlich, manchmal absurd – so eine Art Terry Pratchett Roman oder Donjon der frühen Neuzeit. Ich bin gerade dabei, diese Graphic Novel zu lesen. Gezeichnet wurde das Werk von Rob Davis, der aus der "Judge Dredd" und "Dr. Who" Ecke kommt, und einiges an Erfahrung mitbringt. Und diese tut der Umsetzung gut, wie man im Vergleich zu diversen missglückten literaturadaptierenden Comics (oder einigen anderen halbherzigen Comics von sog. etablierten Literaturverlagen) feststellen kann.
Der Schatz der Tempelritter ist eine empfehlenswerte historische Abenteuerserie. Der zweite Band der dreiteiligen Serie ist nun erschienen. Im 14. Jahrhundert läßt König Philipp IV die Tempelritter wg. angeblicher Ketzerei verhaften und zerschlägt in einem Schauprozess den dem Papst unterstellten Orden. Bis heute ist diese abgekarterte Geschichte einerserseits und die mythische Ikonisierung der Templer als Elite-Ritter auf der anderen Seite Inspirationsquelle für zahlreiche Verschwörungstheorien, Filme und Romane, insbesondere auch was den Verbleib des Vermögens des Templerordens angeht. Der Comic hält sich aber eher an die Zeit und versucht sich nicht an weiteren Verschwörungstheorien. Die Protagonisten sind einige Templer, die mehr oder weniger zufällig der Gefangennahme entgehen, und sich aus unterschiedlichen Motivationen heraus auf die Suche nach dem Schatz der Tempelritter begeben. Daneben geht es auch um Politik, um den Konflikt zwischen Staat (König) und Kirche (Papst), um leere Kriegskassen und missbrauchten Glauben. Die Reihe ist für junggebliebene oder jugendliche Leser ab 12 Jahren geeignet.
The Sculptor – Der Bildhauer. Der neue Scott McCould ist nun auch auf Deutsch erhältlich. McCloud hat einige der besten analytischen Bücher zum Thema Comic vorgelegt (Comics machen, Comics richtig lesen, Comcis neu erfinden; Carlsen). Man sagt ja, Analytiker sind keine guten kreativen Schöpfer. Um herauszufinden ob das stimmt, könnte man diesen Band lesen. Immerhin ist McCloud eine Koryphäe des Mediums. Zeichnerisch bewegt sich der Band eher auf Standard Deluxe Niveau – ich nenne das immer "Amerikanische Ligne Claire" – das haben wir alles schon hundertmal gesehen. Das macht es nicht schlecht, und es sieht auch wirklich sehr gut und zugänglich aus, trotzdem hätte McCloud hier etwas mehr eigenen Stil entwickeln dürfen. Bei uns bekommt Ihr übrigens auch die englische Ausgabe des Buches.
Nochmal Loisel. Das Nest Band 9 hat diesmal Überlänge und schließt die Serie ab. Die kanadische Serie würde man wohl – wenn sie ein Film wäre – Heimatfilm nennen. Heimatcomics – ich glaube den Begriff gibt es bislang noch nicht. Und in der Tat besteht die Serie folgerichtig aus abgefeierter Ereignislosigkeit. Das muss man ehrlicherweise sagen dürfen, denn dies muss man erstmal mögen, und die uns bekannten Fans der Serie lieben es. Zeichnerisch liefert Loisel hier die Crème de la Crème der Comickunst ab. Besser geht es nicht. Punkt. Und in der Dorfgeschichte gibt es wunderbare, kauzige und schrullige Charaktere, die einem ans Herz wachsen. Leider sind die ersten beiden Bände dieser Perle der Comickunst nicht mehr lieferbar, Neueinsteiger werden es schwer haben.


Leonard Nimoy, 1931 – 2015
