Graphic Novels, Hefte, Alben – diverse Oktober-Titel sind in den letzten Tagen bei uns eingeschlagen. Hier ein Überblick über die wichtigsten Neuerscheinungen:
Robert Moses – Carlsen
Ein Graphic Novel über den Architekten und Stadtplaner Robert Moses, und dessen wirken zur Gestaltung New Yorks zwischen 1930 und 1970, geschrieben von Pierre Christin, dem Autoren der Comicreihe Valerian und Veronique, die wohl als eine der beiden bedeutendsten und anspruchsvollsten europäischen Science Fiction Comicserien gilt (Christin arbeite zudem auch als Autor für Enki Bilal, ich bin wohl nicht der Einzige, der die von Christin geschriebenen für die besten Bilals hält). Hier arbeitete Christin mit dem Illustrator Olivier Balez zusammen. Balez hat in Frankreich schon einige Comics veröffentlicht, in deutscher Sprache ist meines Wissens Robert Moses nun die erste Publikation des Künstlers. Balez setzt die Geschichte in klaren Bildern in einem modernen Stil um.
Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 1 – Carlsen
Genau genommen handelt es sich um den Start einer Gesamtausgabe der Spirou-Geschichten des Zeichners Franquin. Andere Zeichner sind z.Z. nicht geplant.
Der erste Band hinterläßt einen äußerst positiven Eindruck und sollte auch die größten Nörgler und den Fans bibliophiler Ausgaben begeistern: wunderschöne Covergestaltung, tolles Papier, tolle Haptik, umfangreiches Bonusmaterial. Einfach vorbildlich. Ein Must-Have für Franquin- bzw. Spirou-Fans. Was dort alles im Laufe der Serie noch an Zusatzmaterial enthalten sein wird oder auch nicht, könnt Ihr am besten im Comicforum nachlesen oder mitdiskutieren (müsst Ihr aber nicht, ev. habt Ihr auch was besseres zu tun, z.B. einfach mal den Band lesen ;) ).
Der Schatz der Tempelritter – Carlsen
Ein schicker neuer Serienauftakt. Stilistisch könnte man die Zeichnungen fast in der L'Association Ecke sehen – was das Cover ev. nicht ganz vermuten lässt: anatomisch bewusst nicht ganz korrekt und stark überzeichnet, analoges Artwork mit gedeckten Farben. Das sieht erstmal super aus. Eine Web-Leseprobe gibt es nicht, aber wir wollen Euch ja auch in unseren Laden aka Comicparadies locken, gelle! ;) Kommt vorbei und schaut rein. Laut Carlsen-Verlag "Ein spannendes Abenteuer, das von so unterschiedlichen Einflüssen lebt wie Umberto Ecos "Der Name der Rose" und "Ocean´s Eleven" und von dem Game-Designer von "Prince of Persia" geschrieben wurde", welches sich für ein Lesealter ab 12 Jahren eignet. Ich werde den Band am Wochenende mal anlesen…
Trouble is my Business – Schreiber & Leser
Neues vom Meister. Die deutsche Erstveröffentlichung eines frühen Werkes von Jiro Taniguchi (Vertraute Fremde, Gipfel der Götter, Der spazierende Mann u.v.m.), die einmal mehr die Vielseitigkeit des Künstlers vor Augen führt. Diemal wandelt die Erzählung auf den Spuren Raymond Chandlers: Trouble is my business ist ein "Hard Boiled" Comicroman.
Bart Simpsons Horror Show #18 – Panini
Die Horrorshow-Hefte erscheinen nur einmal im Jahr, sind aber für viele Fans die Highlights aus der gelben Comicwelt. Hier kommen immer besondere Künstler und deren Artworks zum Einsatz. Oft bekommen für die Serie eher untypische Zeichner Gelegenheit, die kleinen Horror-Shortstories mit vielen Anspielungen an das Grusel-Genre zu verwirklichen. Wer und was diemal drin ist? Weiß ich noch garnicht. Ich heb mir das Heft für den Sonntagmorgenkaffee auf und laß mich überraschen.
Anspruchsvolle italienische High Quality Science Fiction ala Enders Game oder Starship Troopers, Band 1 haben wir hier ausführlich besprochen: Waisen vs. Aliens.
Light Brigade – Cross Cult
Batman & Robin-Autor Peter J. Tomasi und BUAP-Zeichner Peter Snejbjerg präsentieren hier einen Genremix aus Kriegsdrama und Fantasy-Pulp.
Immer wieder von den Schrecken eingeholt, die er als US-Soldat im zweiten Weltkrieg erleben muss, hat Chris Stavros ein Ziel: sicher nach Hause zurückzukehren um sich um seinen Sohn zu kümmern, denn, wie Chris erfahren musste, ist seine Frau gestorben. Doch mitten in Überlebenskampf steht plötzlich noch viel mehr auf dem Spiel, denn himmlische Krieger erscheinen am Himmel und das Platoon wird mit der unmöglichen Aufgabe betreut: Sie sollen das verlorene Schwert Gottes zurückholen bevor es von einem obskuren Trupp unsterblicher deutscher Soldaten gefunden wird und sie die Tore des Himmels stürmen! Diese amerikanischen Soldaten, die "Light Brigade" marschiert in einen übernatürlichen Kreuzzug, der das Schicksal der Welt beeinflussen wird … Kugel für Kugel, Seele für Seele. – Pressetext
Hauteville House – Das Grab des Priesters Frollo
Der wilde Genre-Mashup aus Science Fiction, Fantasy, Western, Abenteuer und Steampunk/Retrofuturistik geht in Runde 9. Verdammt cooler und sorgloser Bubblegum-Wohlfühlcomic.
1864 – Von der offiziellen Geschichtsschreibung nicht erwähnt, schickt Kaiser Napoleon III. von Frankreich am Rande seiner Feldzüge seine Armee und seinen Geheimdienst auf Missionen, die das Reich der Metaphysik, der okkulten Wissenschaften und der Sagen erforschen sollen. Sein Ziel: die Vorherrschaft über seine Gegner, England und Preußen. Auf der Kanalinsel Guernsey dient das Hauteville House, der Wohnsitz des im Exil lebenden Schriftstellers Victor Hugo, einer Handvoll republikanischer Soldaten als Hauptquartier. Von dieser verborgenen Basis aus versuchen sie, die kaiserlichen Pläne zu durchkreuzen. – Pressetext
Mangas

Elfquest 35 – Carlsen
Attack on Titan 4 – Carlsen
Die Fans der Serien wissen Bescheid…
Dead Ends – Zwerchfell
Manche Leute sagen ja, Mangas sind einfach nur Comics aus Japan, und Manga sei kein Stil (ich verzichte mal, auf die Unterkategorien einzugehen). Dem würde ich mich durchaus anschließen – die Stilistik der japanischen Comics ist durchaus vielfältig. Ad absurdum wird diese Argumentation geführt, wenn es dann Mangas aus Deutschland gibt. Mhm. Japanische Comics aus Deutschland. Schwierig, wenn die deutsche Seele immer einen pedantische Kategorisierung braucht. In dem Fall sind dann eben doch wieder stilistische Parallelen gemeint. Graphic Novels, Comics, Mangas, E- und U-Comics – do you remember? Am besten vergisst man das alles schnell wieder, und genießt die neue Anthologie Dead Ends aus dem Hause Zwerchfell. Der Band enthält vier Kurzgeschichten aus dem Reich der Toten von wirklich talentierten deutschen Künstlern. Feinster Edeltrashzombiespaß als wohltuender Kontrapunkt zum Feuilleton-Vorzeigecomic, von Zeichnern, die es drauf haben. Auf jedem Fall mal reinsehen! Mit Michel Decomain, Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich, Martin Geier.
PIL – Carlsen
Ja genau – der Comictitel bezieht sich auf die Postpunk-Band Public Image Ltd. (das spätere Bandprojekt um Ex- Sex Pistols Mitglied John Lydon aka Johnny Rotten). Die Handlung ist in den 80er Jahren angesiedelt. Naja – ich persönlich habe PILs Musik nie gemocht, da gabs doch deutlich bessere Postpunk- und New Wave – Bands, zum Glück geht es in dem Manga nicht um die Band, sondern um eine Zeit und um ein Lebensgefühl, und um den Clash der Generationen. Man kann beim Lesen ja auch eine alte The Wedding Present – Scheibe auflegen.
Japan 1983: Nanami will unbedingt nach England. Natürlich hat sie kein Geld für die Reise, aber ihr Großpapa verfügt über gute Beziehungen in die Heimat ihrer Lieblingsbands Public Image Limited, The Stranglers und Killing Joke. So wird sie zumindest mit immer neuen Punk-Mixtapes versorgt und kann damit ihren Schwarm, den DJ aus dem Musik-Café, beeindrucken. Dass der sich später doch für die schnöde Blondine entscheidet – Schicksal im Leben eines Teenagers. Doch Nanami ist stark, und muss das auch sein. Denn das Zusammenleben mit ihrem Großpapa stellt sie vor immer neue Herausforderungen. Der alte Herr ist ebenso lebenslustig wie entschieden. Er verzockt das Haushaltsgeld, fällt auf eine attraktive Betrügerin herein, kauft Nanami eine Perücke für ihre Kurzhaarfrisur und holt sie besorgt viel zu früh von einer Party ab, peinlich!
Vor der Post-Punk-Kulisse der 1980er Jahre beschreibt Mari Yamazaki mit komisch-sensiblem Charme die Konfrontation zweier Generationen – und lässt offen, welcher der beiden Hauptcharaktere nun der wahre Punk und Rebell ist. Die Verquickung von westlicher und asiatischer Welt kommt nicht von ungefähr; die Zeichnerin und Autorin hat in ihrer Jugend Europa bereist und lebt mittlerweile in Italien. – Pressetext
Die Splitternovis sind bereits letzte Woche bei uns eingeschlagen, und die haben es in sich. Diverse hochkarätige Abschlußbände sind dabei. Dazu in Kürze mehr in Der Comic Oktober Teil 2.
Green River Killer
Das Attentat
Vasmers Bruder







Einer der ganz großen Comics der letzten Jahre ist die Serie Koma, dessen beiden letzte Bände diesen Sommer bei Reprodukt erschienen sind. Das Mädchen Adidas arbeitet nicht für einen Sporbekleidungshersteller, sondern für Ihren Vater in der Schornsteinfegerbranche. Denn dort braucht man kleine Menschen, die durch die Röhren passen und die Schornsteine von innen reinigen. Doch ständig fällt Adidas in ein Koma und träumt von Monstern, die am Grund der Schlote leben und riesige Maschinen bedienen…
Als Zweites möchte ich den Comic Die Kinder des Kapitän Grant (Splitter) nennen. Die Jules Verne Adaption glänzt durch eine virtuose Umsetzung. Selten werden Comics so liebevoll ausgearbeitet, das reicht hier von den antropomorphen Charakteren, über die bis in die Fellspitzen filigranen Zeichnungen, über Seitenarchitektur bis hin zum Retro-Design der Sprechblasen mit Ornamentik. Die Geschichte verbindet Abenteuer-Romantik mit aufgeklärtem Geist. Sensationell.
Begeistert hat mich auch der Kurzgeschichtenband Der Narwal (Carlsen) Die facettenreiche Geschichte eines Extrem-Tauchers führt mit einer Portion Zynismus durch (fast) alle Genres. Der Band wurde in der Comicszene kontrovers aufgenommen, was ihn m.E. umso interessanter macht. Für mich war es ein echter Pageturner, und auch grafisch in seiner Mischung aus Mignola, Spirou und Hugo Pratt sehr ansprechend. Schaut mal rein!
Im Sommer erschien der Mystery-Band Das Gedächtnis des Meeres (Salleck). Analoges Artwork (der Band hätte auch bei Reprodukt erscheinen können) und eine kleine, aber feine Geschichte machten den Band zur Leseempfehlung für den Stromausfall um Mitternacht. Und ein gutes Buch funktioniert nicht nur in heissen Sommer- sondern auch in langen Winternächten


Wo wir gerade bei Klassikern sind: spätestens seit der überraschend erfolgreichen BBC-TV-Serie ist Sherlock Holmes wieder ein angesagtes Thema. Im Comicbereich laufen hier gleich mehrere und vielfältige Serien zum Thema. Eine der herausragenden Serien ist Holmes (erschienen bei Jacoby & Stuart), die der Frage nachgeht, ob Holmes nach seinem Sturz in den Wasserfall (nachzulesen in den Romanen von Doyle) wirklich gestorben ist, denn es gibt Indizien, dass er noch lebt. Der Band bietet ein umwerfendes, äußerst geschmackvolles Artwork mit sehr zurückhaltender Kolorierung und einem präzisen Gespür für Stimmungen.
Einen ganz anderen Ansatz verfolgt die Serie Baker Street. Diese wurde bereits vor einigen Jahren abgeschlossen, ich möchte sie trotzdem an dieser Stelle passend zum Thema einmal mehr würdigen. Denn die Serie hat sich über die Jahre und insbesondere in 2013 zu einem unserer heimlichen Helden gemausert und erfreut sich bei unseren Kunden besonders großer Beliebtheit. Während sich der dunkle Holmes eher an ältere Jugendliche und Erwachsene richtet, ist Baker Street eine bunte und humorvolle All-Age Serie mit ebenfalls tollen Zeichnungen.

Im Berliner Piredda-Verlag erschien mit Whaligoe eine kleine aber äußerst feine Mysteryserie aus der Feder der Künstlerin Virginie Augustin. Wow, was hat die Dame für eine Entwicklung hingelegt. Augustin zeichnet mit Verve, und der Band bietet köstliche Dialoge.
Ein absolutes Highlight des Jahres ist die Neuauflage von Edgar Ellen Poes Unheimliche Geschichten. Mit einem außergewöhnlichen Gespür für melancholische Ästhetik von Benjamin Lacombe illustriert, beinhaltet diese Ausgabe nun eine zusätzliche Geschichte. Das Verlagshaus Jacoby & Stuart hat mit diesem Band das Niveau für bibliophile Ausgaben neu definiert. Das Buch hat eine Haptik, Eleganz und Opulenz wie man sie nur selten sieht. Da stimmt einfach alles, vom Format, Papier, über die Fonts, die Covergestaltung, der Bindung. Ganz grosses Kino! Wenn in Zukunft Bücher so aussehen, haben wir keine Angst vor der Ebook-Konkurrenz. Ein besseres Weihnachtsgeschenk werdet Ihr ev. nicht finden!
Ein weiterer Höhepunkt war dieses Jahr der Launch des Graphic-Novel-Programms des Egmont-Verlages. Wahrscheinlich war ich nicht der Einzige, der sich zuerst angesichts der Flut an Neuerscheinungen im Comicbereich dachte 'bitte nicht noch ein Verlag…". Dann kam jedoch das Programm, und es stellte sich heraus, dass sorgfältig ausgewählte Titel dafür sorgen, die Comiclandschaft interessant zu erweitern, statt nur noch weiter mit immer denselben Themen zu fluten. Stellvertretend für das schöne Programm möchte ich hier Sailor Twain heraus stellen. In dem 400-Seiten messenden Schmöker greift der Flußdampfer-Kapitän Twain eines Tages eine verletzte Mehrjungfrau auf und nimmt sie in seine Obhut. "Ein fesselnde Graphic Novel mit unwiderstehlichen Charakteren, verstärkt durch gespenstische, erotisch aufgeladene Zeichnungen" meint der geschätzte John Irving auf dem Klappentext – dem kann ich mich nur anschließen (und nein, das Buch ist nicht sexistisch).

Joseph Conrad schuf 1899 mit Das Herz der Finsternis einen legendären Roman, der später von Francis Ford Coppola mit dem Film Apokalypse Now neu interpretiert wurde. Ein sehr gutes Buch über Conrad erschien im Avant -Verlag: Kongo. Es geht darin um den Schriftsteller selbst, der sich seinerzeit aufmachte, um weiße Flecken auf der Landkarte zu ergründen. Gezeichnet wurde der Band von Tirabosco, der bereits für die grandiosen Bücher Das Ende der Welt und Im Dunkeln gearbeitet hat. Letztere wurden von Wazem geschrieben, der der Autor des o.g. Highlights Koma ist. So schließt sich der Kreis.

2013 war auch des Jahr der tollen All-Age-Comics. Im Frühjahr erschien Hilda von Luke Pearson. Wie Relativitätstheorie für Kinder erzählt dieser Band die herzliche Geschichte aus der Welt des Mädchens namens Hilda, wie sie erst die kleinen Mini-Menschen, und später die Mitternachstriesen entdeckt. Es gibt immer einen, der noch größer ist – und das ist garnicht schlimm. Ein unglaublich sympathisches Buch über Mut, Toleranz, Vielfalt und Neugier. Inzwischen ist ein weiterer wunderschöner Hilda-Band verfügbar.
Dann ist da der dritte Band der Oz-Serie Dorothy und der Zauberer von Oz erschienen. Skottie Young ist ein Ausnahmetalent, es ist kaum auszuhalten. Sein handgemachtes Artwork machen die werkgetreuen Adaptionen der Kinderbuchklassiker von Frank L. Baum zu meinen All-Time-Favorites.

Denn dieser All-Age-Comic ist so schön, dass es schon ein wenig weh tut. Wer sich dieses Jahr ev. nur einen Comic kaufen kann oder möchte, sollte sich diesen Comic gönnen. Die preisgekrönte Adaption des Kinderbuchklassikers ist vor rund 14 Jahren bereits als Serie bei Carlsen gelaufen, und wurde nun in einer sehr schönen Gesamtausgabe bei Toonfish neu aufgelegt. Inzwischen ist auch noch eine eigenständige Fortsetzung namens Der Wind in den Dünen erschienen. Tolle Zeichnungen mit Liebe zum Detail und eine schöne Geschichte über Abenteuer und Freundschaft.
Eingeschlagen wie eine Bombe ist bei uns der erste Band der Monster Allergy Reihe. Das war wirklich eine große und schöne Überraschung. Der italienische Grusel-Funny mit Mangaeinflüssen ist aber auch verdammt schön gezeichnet, aufwenig koloriert und vor allem gut geschrieben. Positiv ausgewirkt hat sich dabei sicherlich das Engagement des jungen Dani-Verlages, als auch der Signiertermin mit dem Zeichner Rigano anläßlich unseres 5-Jahres-Jubiläums diesen Sommer bei uns im Laden. Imzwischen ist Band 2 der Serie erschienen, Band 3 wird Anfang nächsten Jahres erwartet. Ich bin gespannt. Zu den Büchern gibt es übrigens immer schöne Postkarten.


Das Buch versprüht allerdings auch den Geist der Postmoderne, die nunmal seit 20 Jahren vorbei ist (das hat sich noch nicht überall rumgesprochen), und verkörpert viel Tristesse und Depression. Wer den Titel zu Weihnachten verschenken möchte und ausreichend schwarzen Humor besitzt, könnte eine Rasierklinge als Gimmick beilegen. Ungeachtet dessen möchte ich den Titel an dieser Stelle würdigen, da es wohl keinen Comic gibt, der in dem Maße und so eindrucksvoll demonstriert, was im Medium Comic möglich ist. Vor 20 Jahren war das ein Meilenstein.
Ein weiterer gehypter Comic ist Saga. Die Serie von Y – The last Man und Lost Autor Brian K. Vaughan hat in den USA diverse Preise abgeräumt: 3 Eisner Awards und 6 Harveys gab es für die Geschichte, den Autoren Vaughan und die Zeichnerin Fiona Staples. Ob die Serie nun die Menge an Auszeichnungen verdient hat, sei dahin gestellt. Denn eigentlich ist die Serie ein Underdog, und Underdogs sollten in etablierten Kreisen für Aufregung sorgen, sie sollten reingrätschen – das wäre irgendwie cooler. Aber schon Malcolm McLaren wußte, dass man Subkultur genauso vermarkten kann wie Popkultur. Egal – die Serie ist großartig. Die SciFi/Fantasy-Soap, in der auch die Bösewichte ein Privatleben haben ist originell, intelligent, vulgär, mutig, herzzerreissend, brutal, wunderschön – trotz des Sci-Fi-Settings einfach lebensnah, mit Charakteren, die einem ans Herz wachsen. Da darf man auch mal die Superlative auspacken. Dann sind wir uns eben mal alle einig.
Cross Cult als Spezialist für gute US-Serien hat gleich noch nachgelegt, und eine brandneue Serie gestartet, die nicht weniger interessant ist: Revival (ich berichtete kürzlich hier bei uns im Blog). Ich wünsche der Serie viel Erfolg, der Auftakt ist vielversprechend und das Beste, was ich in den letzten Tagen gelesen habe. Und da wir gerade bei originellen Serien abseits des Marvel/DC-Mainstreams sind, auch Chew lief dieses Jahr weiter, und es soll sogar noch ein weiterer Band im Dezember erscheinen. Die makabre Geschichte um einen Geschmacksknospentelepathen ist einfach zu abgedreht und witzig, um hier unerwähnt zu bleiben. Wer Chew noch nicht kennt hat etwas verpaßt!


Dr. Grordborts glorreicher Wegweiser zum Triumph von
Der neue Tardi ist vor einigen Tagen eingetroffen. Darin erzählt Tardi, der bereits mehrere hervorragende Comics über den Ersten Weltkrieg geschaffen hat ("Grabenkrieg", "Elender Krieg"), die Geschichte seinen Vaters während der Kriegsgefangenschaft im Zweiten Weltkrieg.


Egon Schiele (1890 – 1918) gehörte zu den wichtigsten Malern der Wiener Moderne. Sein Mentor Gustav Klimt setzte sich immer wieder für den jungen Nachwuchskünstler ein, der für den konservativen Wiener Geschmack etwas zu freizügige Bilder malte. Sigmund Freud arbeitete zwar zur gleichen Zeit in der Kulturmetropole, aber die von ihm entwickelte Psychoanalyse steckte noch in den Kinderschuhen, und die Thematisierung von Sexualität galt weitgehend als Tabu. Gerade Aktbilder gehörten aber zu Schieles Lieblingsmotiven, und die Freizügigkeit, mit der er seine Modelle posieren ließ, ärgerte die Moralhüter der Akademie.

Im Rahmen der Ausstellung "comicleben_comiclife" findet in Berlin-Dahlem am 22. Juni eine Lesung statt:
In den Konzentrationslagern der Nazis lief einiges, das weniger bekannt wurde. So wurden viele Sportler – darunter auch Boxer – in den KZs interniert. Die Boxer mussten zum Gaudi der Wachmannschaften und der SS Kämpfe austragen, die im Grunde nur sadistische Gemetzel waren. Die Verlierer überlebten selten. Einer dieser Boxer hieß Hertzko Haft. Er war Jude.