Liebe Comicfans,
ich hoffe Ihr habt die Feiertage gut überstanden, und seid gut im neuen Jahr angekommen. Bei uns war es jedenfalls so. Das Interesse an Comics in der Vorweihnachtszeit war sensationell, dafür nochmal ein herzliches Dankeschön an alle Stamm- und die vielen Neukunden, und viel Spaß auch allen Beschenkten!
Bevor ich nachher auf die ersten Januar-Novitäten eingehe, möchte ich hier nochmal einen kleinen Rückblick auf das Jahr 2014 geben. Los geht es mit unserer Bestsellerliste, die ich eigentlich traditionell bereits am Ende des Jahres poste. Erfreulicher- und zugleich bedauerlicherweise hatten wir im Dezember aber nur sehr wenig Zeit, so dass ich dies jetzt kurz nachole. Danach möchte ich noch einen kurzen Überblick über meine persönlichen Favoriten im Jahr 2014 geben, von denen ich drei neue Titel und einen Nachdruck besonders hervorheben möchte.
Weitere Links zur "Best of 2014 Comics" hat übrigens der junge Comicblog Dreimalalles zusammengetragen. Leser und Jury-Meinungen zum Thema gab es wie jedes Jahr auch auf der Webseite des Tagesspiegels. An dieser Stelle möchte ich Barbara Yelin zur Auszeichnung Comic des Jahres für ihre Graphic Novel Irmina gratulieren.
Unsere Bestseller 2014
- 01. Kinderland (Reprodukt)
- 02. Schneekreuzer (Jacoby & Stuart)
- 03. Der alltägliche Kampf (Reprodukt)
- 04. Die Kinder des Kapitän Grant (Splitter)
- 05. Saga (Cross Cult)
- 06. Fluchttunnel nach West-Berlin (Avant)
- 07. Blacksad 5 (Carlsen)
- 08. Mouse Guard – Die schwarze Axt (Cross Cult)
- 09. Pjöngjang (Reprodukt)
- 10. Horlemonde (Splitter)
- 11. Asgard (Splitter)
- 12. Guardians of the Galaxy 1 (Panini)
- 13. Spirou – Die Leopardenfrau (Carlsen)
- 14. Monster Allergy 3 (Dani Books)
- 15. Orbital 1 (Splitter)
- 16. Largo Winch 19 (Schreiber und Leser)
- 17. Gung Ho 1 (Cross Cult)
- 18. Irmina (Reprodukt)
- 19. Aufzeichnungen aus Jerusalem (Reprodukt)
- 20. Ariol 3 (Reprodukt)
Erwähnenswert dabei ist, dass Platz 1 Kinderland doppelt so oft verkauft wurde, wie jeweils Platz 2 bis 4 (die Plätze 2 bis 4 liegen dicht zusammen). Der Schneekreuzer hat sich einen der Top-Plätze durch unseren Signiertermin auf der Berliner Comicmesse ergattert. Interessant sind dabei noch die Longseller: Der alltägliche Kampf, Pjöngjang, Jerusalem und Orbital sind allesamt schon in den Vorjahren erschienen, und erreichen immer noch hohe Plätze.
Unsere bestlaufenden Serien bei Addition aller verkauften Teile waren Koma (Reprodukt), Donjon (Reprodukt), One Piece und Naruto (Carlsen), Waisen (Cross Cult) und Elfen (Splitter), sowie die Panini-Heftserien von Marvel und DC.
Heimliche Helden – persönliche Favoriten *
2014 war es besonders schwierig, die besten Comics unter den vielen Neuerscheinungen herauszukristallisieren. Thematisch und formal gehen die Comics und Graphic Novels immer mehr in die Breite, und teilweise lassen sich die Novitäten nicht miteinander vergleichen. Wie dem auch sei, kommen hier Titel, die für mich etwas Besonderes darstellen. Dass hier Tiere öfter mal eine Rolle spielen, ist übrigens rein zufällig. :)
1. Die Kinder des Kapitän Grant (Splitter): Dies ist eine Adaption des tragikomischen Abenteuerromans von Jules Verne. Das alleine ist schon mal gut. Noch besser bzw. interessanter ist, dass der Comickünstler Alexis Nesme sich zweier Darstellungsformen bedient, die einen Bezug zu der Zeit haben, in der die Geschichte spielt – nämlich zum 19. Jahrhundert. Zum einen ist der dreiteilige Comic komplett in einem Stil gezeichnet, der Anleihen an die Malerei der Romantik des 19. Jahrhunderts beinhaltet (Caspar David Friedrich lässt grüßen) – einschließlich tiefer und metaphysischer Perspektiven. Zum anderen ist es ein anthropomorpher Comic, und die Darstellung der Protagonisten durch Tiere wurde nicht von Walt Disney erfunden, sondern hat seinen Ursprung ebenfalls im 19. Jahrhundert – zum Beispiel bei J.J. Grandville, der bereits zu dieser Zeit 'comichaft' die Mensch-Tier-Hybriden gezeichnet hat. So hat hier jeder Charakter seine Tierentsprechung, und zugleich gelingt spielerisch die Gratwanderung zwischen Kunst und Kitsch. Der Anschlussband der dreiteiligen Serie ist kürzlich erschienen. Ein faszinierendes Comic-Kunst-Experiment, mit Bildern, in denen man sich verlieren kann.
2. Half Past Danger (Dani Books): Für unseren Blog habe ich über diesen Titel mal geschrieben: "Das ist der Comic, vor dem uns das Feuilleton immer gewarnt hat." "Half Past Danger" ist feinster Retro-Pulp in turbulenter Action mit Nazischurken, Femme Fatale, mörderischen Dinosauriern, und ich zitiere mich hier nochmal selber "… selbstverständlich ist – wann immer jemand ins Wasser fällt – sofort ein Hai zur Stelle". Fast wie ein zu Comic gewordener Spielberg-Film – nur ohne den Pathos. Das Liebhaberprojekt des irischen Zeichners Mooney ist die zeitgemäße und hemmungslose Essenz des Genres.
3. Guerillas (All-Verlag): Im Vietnam-Krieg wird das gesamte Platoon des Schützen Francis Clayton weg gemetzelt. Von nun an muss sich Clayton alleine durchschlagen. Die Lage scheint aussichtslos, bis er auf einen Zug bis an die Zähne bewaffneter Zigarren rauchender und militärisch ausgebildeter Schimpansen trifft. Ob das die Rettung oder der Untergang ist, soll hier nicht verraten werden. Autor und Zeichner Brahm Revel erzählt hier in schönen Schwarz-weiß-Bildern eine Geschichte, die irgendwo zwischen "Planet der Affen" und "Apokalypse Now" liegt. Die Zeichnungen wirken dabei wie aus einer anderen Zeit und fangen vor allem die Atmosphäre in Vietnam zwischen Natur und Kriegsgräuel ein. Erzählt wird auch auf mehreren Ebenen, so gibt es zum Beispiel im ersten Band eine längere Passage, in der im Text die Geschichte des Vaters erzählt und die Psychologie der Protagonisten glaubhaft untermauert wird, während in den Zeichnungen das Platoon durch den Dschungel wandert. "Guerillas" ist als intelligent geschriebener grafischer Unterhaltungsroman ein Kleinod. Band 2 der dreiteiligen Serie ist gerade erschienen.
Reprint:. Usagi Yojimbo (Dark Horse). Außer der Reihe möchte ich noch auf den Sammelband Usagi Yojimbo Saga 1 hinweisen. Ich möchte den Band hier nicht lobend erwähnen, weil wir dieses Jahr 30 Jahr Usagi Yojimbo feiern, oder weil der Zeichner Stan Sakei zwei Familienmitglieder in kurzer Zeit begraben musste, oder weil die Krankheit seiner Frau uns nochmal das – Entschuldigung – beschissene amerikanische Gesundheitssystem vor Augen geführt hat (von dem wir hier wohl nicht mehr weit entfernt sind), aber auch die Solidarität vieler Zeichner von Mike Mignola bis David Petersen, die Zeichnungen mit Usagi Yojimbo erstellt und die Originale bei eBay versteigert haben, um mit dem Erlös die Behandlung der Krankheit von Sakeis Frau finanziell zu unterstützen (ein Sammelband mit Artworks erschien bei Dark Horse). Lobend erwähnen möchte ich den Band, weil das 600 Seiten messende Buch einen großen Teil eines hervorragenden Comics enthält, weil Sakei ein tolles Repertoire an Geschichten drauf hat, die von Abenteuer-Action-Samurei-Gemetzel, über poetische bis zu philosophischen Kurzgeschichten reichen, bei denen auch der Humor nicht zu kurz kommt. Kurz – es ist eine tolle Neuauflage eines großartigen Comics. Der Band ist leider nur auf englisch verfügbar.
Einige meiner weiteren Top-Comics 2014, die mir einen Menge Spaß gemacht haben und die ich hier nur kurz Aufzählen möchte waren:
Eine nautische Fabel (Carlsen), Das Imperium des Atoms (Carlsen), Zauber (ECC), Aspirine (Avant), Azimut (Splitter), Cromwell Stone (Schreiber und Leser), Ghost Money (Schreiber und Leser), Waisen (Cross Cult), Mouse Guard (Cross Cult), Hilda (Reprodukt) und Vom Glanz der alten Tage (Edition 52).
Schaut mal rein!
* eine ähnliche Fassung des Textes ist bereits im Comicblog des Tagesspiegels und bei Serien-Ninja veröffentlicht worden.










Für Freunde des gepflegten Trashs und in Vorfreude auf des anstehende Fest hat Weissblech ein Halloween-Horror Heft herausgegeben. Dieses enthält diverse vergriffene und neue Horrorshortstories in S/W und ist im A4 Format erschienen. Das Heft ist auf 300 Exemplare limitiert, der geneigte Leser möge kurzfristig zugreifen!

Ein Graphic Novel über den Architekten und Stadtplaner Robert Moses, und dessen wirken zur Gestaltung New Yorks zwischen 1930 und 1970, geschrieben von Pierre Christin, dem Autoren der Comicreihe Valerian und Veronique, die wohl als eine der beiden bedeutendsten und anspruchsvollsten europäischen Science Fiction Comicserien gilt (Christin arbeite zudem auch als Autor für Enki Bilal, ich bin wohl nicht der Einzige, der die von Christin geschriebenen für die besten Bilals hält). Hier arbeitete Christin mit dem Illustrator Olivier Balez zusammen. Balez hat in Frankreich schon einige Comics veröffentlicht, in deutscher Sprache ist meines Wissens Robert Moses nun die erste Publikation des Künstlers. Balez setzt die Geschichte in klaren Bildern in einem modernen Stil um.
Ein schicker neuer Serienauftakt. Stilistisch könnte man die Zeichnungen fast in der L'Association Ecke sehen – was das Cover ev. nicht ganz vermuten lässt: anatomisch bewusst nicht ganz korrekt und stark überzeichnet, analoges Artwork mit gedeckten Farben. Das sieht erstmal super aus. Eine Web-Leseprobe gibt es nicht, aber wir wollen Euch ja auch in unseren Laden aka Comicparadies locken, gelle! ;) Kommt vorbei und schaut rein. Laut Carlsen-Verlag "Ein spannendes Abenteuer, das von so unterschiedlichen Einflüssen lebt wie Umberto Ecos "Der Name der Rose" und "Ocean´s Eleven" und von dem Game-Designer von "Prince of Persia" geschrieben wurde", welches sich für ein Lesealter ab 12 Jahren eignet. Ich werde den Band am Wochenende mal anlesen…
Die Horrorshow-Hefte erscheinen nur einmal im Jahr, sind aber für viele Fans die Highlights aus der gelben Comicwelt. Hier kommen immer besondere Künstler und deren Artworks zum Einsatz. Oft bekommen für die Serie eher untypische Zeichner Gelegenheit, die kleinen Horror-Shortstories mit vielen Anspielungen an das Grusel-Genre zu verwirklichen. Wer und was diemal drin ist? Weiß ich noch garnicht. Ich heb mir das Heft für den Sonntagmorgenkaffee auf und laß mich überraschen.

Manche Leute sagen ja, Mangas sind einfach nur Comics aus Japan, und Manga sei kein Stil (ich verzichte mal, auf die Unterkategorien einzugehen). Dem würde ich mich durchaus anschließen – die Stilistik der japanischen Comics ist durchaus vielfältig. Ad absurdum wird diese Argumentation geführt, wenn es dann Mangas aus Deutschland gibt. Mhm. Japanische Comics aus Deutschland. Schwierig, wenn die deutsche Seele immer einen pedantische Kategorisierung braucht. In dem Fall sind dann eben doch wieder stilistische Parallelen gemeint. Graphic Novels, Comics, Mangas, E- und U-Comics – do you remember? Am besten vergisst man das alles schnell wieder, und genießt die neue Anthologie Dead Ends aus dem Hause Zwerchfell. Der Band enthält vier Kurzgeschichten aus dem Reich der Toten von wirklich talentierten deutschen Künstlern. Feinster Edeltrashzombiespaß als wohltuender Kontrapunkt zum Feuilleton-Vorzeigecomic, von Zeichnern, die es drauf haben. Auf jedem Fall mal reinsehen! Mit Michel Decomain, Marika Herzog, David Füleki, Caro Reich, Martin Geier.
Ja genau – der Comictitel bezieht sich auf die Postpunk-Band Public Image Ltd. (das spätere Bandprojekt um Ex- Sex Pistols Mitglied John Lydon aka Johnny Rotten). Die Handlung ist in den 80er Jahren angesiedelt. Naja – ich persönlich habe PILs Musik nie gemocht, da gabs doch deutlich bessere Postpunk- und New Wave – Bands, zum Glück geht es in dem Manga nicht um die Band, sondern um eine Zeit und um ein Lebensgefühl, und um den Clash der Generationen. Man kann beim Lesen ja auch eine alte The Wedding Present – Scheibe auflegen.