Die krassesten Stories schreibt doch immer noch das Leben selbst, wie z.B. in dieser Lebensgeschichte. Der erste Mann am Nordpol war Metthew Henson, der dafür Zeit seines Lebens nicht gerühmt wurde – weil er Afroamerikaner war und im Schatten des rücksichtslosen Forschers Peary stand.
Autor und Zeichner Simon Schwartz erregte bereits mit seiner autobiografischen Geschichte "Drüben" einiges an Aufmerksamkeit. Darin erzählt er, wie er mit seinen Eltern aus der DDR nach Westdeutschland ausgewandert ist. Ich schätze "Drüben" besonders, weil es zum einen nicht das Leben in der DDR als "Realfunny" darstellt, wie z.B. viele deutsche Filmemacher dies mit einer gewissen Portion Überheblichkeit getan haben. Zum anderen verzichtet der Autor auf Schwarz-Weiß-Malerei, und zeichnet ein authentisch-wirkendes und sehr persönliches Bild der Situation. Bereits in der vierten Auflage liegt dieses Buch vor, die aktuelle Edition enthält acht Bonusseiten. Wer eine ältere Ausgabe hat, kann sich die zusätzlichen Seiten auch hier runterladen.
Drüben
von Simon Schwartz
Avant
Softcover, 120 Seiten, s/w, 14,95 EUR
Zurück zum aktuellen Band: In "Packeis" geht es nun um die Geschichte von Metthew Henson. Der Schiffszimmermann begleitete um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verschiedene Expeditionen des Forschers Robert Peary. Sein pragmatisches Geschick und sein beherztes Auftreten machten ihn zum unverzichtbaren Mitglied des Forscherteams. Am Ende war Henson der Mann, der den Nordpol als erstes betrat. Zugleich ging Henson unter dem Namen Mahri Pahluk in die Sagenwelt der Inuit ein, die in Henson einen Seelenverwandten sahen und mit ihm ihre Geheimnisse teilten.
In Packeis geht es als um Rassismus, Eitelkeiten, Forscherschwindel und auch um Menschenhandel in den USA (sogar noch Anfang des 20. Jahrhunderts – Jahrzehnte nach dem amerkanischen Bürgerkrieg) und auch um die Mythologie der Inuit aka Eskimos. Packeis ist eine gut geschriebene, tragische Geschichte, die in einigen Details von der wahren Geschichte abweicht. Deswegen würde ich das nicht Biografie nennen, es ist eher literarisch, ein Roman mit (sehr vielen und den wichtigen) wahren Eckdaten. Aus den Abweichungen macht der Autor allerdings auch kein Geheimnis – im Anhang des Buches gibt es eine Zeittafel mit allen geschichtlichen Details.
Grafisch setzt Simon Schwartz auf kräftige Outlines, manchmal wirken die Zeichnungen fast wie mit einer Schablone gezeichnet. Dazu kommt eine reduzierte, meist flächige Kolorierung in schwarz, weiß und blau. Ein Zeichenstil, der sicherlich polarisiert, die Erzählung in seiner Klarheit aber gut unterstützt und vorantreibt. Es ist schön zu sehen, wie sich der Künstler entwickelt, der mit "Drüben" ein sehr gutes Debüt hingelegt hat, und nun mit "Packeis" ein noch besseres, noch runderes Werk abliefert. Man darf gespannt sein, was da noch kommen mag…
Packeis
von Simon Schwartz
Avant
Softcover, 176 Seiten, s/w/blau, 19,95 EUR
Im Carlsen-Verlag erschien gerade das Album Das Zeichen des Mondes. In sehr schönem Schwarz/Weiss mit einem Tupfer Farbe entwirft José Luis Munuera, der auch die Spirou-Alben 45 bis 48 und das Sillage-Spin-Off Nävis zeichnet, zusammen mit Debut-Autor Enrique Bonet ein fantastisches Märchen.





David E. Peterson wurde am 4. Juli 1977 geboren. Er schlug schnell eine künstlerische Laufbahn ein. Eine regelmäßige Diät aus 80er Jahre Zeichentrickserien, Comics aller Art und auf Bäume Klettern hat seine Vorstellungskraft nachhaltig beeinflusst und inspiriert ihn noch heute. „Ich erinnere mich gerne daran, wie wundervoll die Welt war, als ich 8 oder 9 war. Es ist diese Art von unschuldiger Neugier und unendlichen Möglichkeiten in denen ich am meisten Schönheit und Anregungen entdecke. Das ist es, wonach ich in meiner Arbeit am meisten strebe … der typische Peter-Pan-Komplex.“

Ein Tag, der damit anfängt, dass man sich auf der Toilette aus Versehen auf die Schuhe pinkelt, kann nicht gut enden. Das weiß auch Hervé, ein junger Büroangestellter, der gern die Blonde am Nebentisch anbaggern würde, aber nicht weiß, wie. Und auch die schöne Chloé, mit der er verbandelt ist, hat heute keine Zeit, weil sie zur Theaterprobe muss. No sex today.
Mitnichten. Nun gibt es endlich den Comic zur Kunstform Ballett. Der 28jährige Shooting Star der französischen Bande Déssinée, Bastien Vivès, bedient sich der im Trend liegenden Erzählform Graphic Novel, um die Entwicklungsgeschichte eines begabten Mädchens zu erzählen, die ein Ballettinternat besucht. Vergleichbar zum Film „Black Swan“ ist die Abhängigkeit der noch unfertigen, zerbrechlichen Tänzerin vom übermächtigen Choreographen mit dem Hauch des Genialischen. Wird der Maestro im Film recht klischeehaft als sadistisches Charakterschwein dargestellt, der Talent und Persönlichkeit der Tänzerin wie ein Vampir aussaugt, um seine Visionen durchzusetzen, wird die Beziehung im Comic deutlich differenzierter dargestellt.